Salzburger Taximord: Heidegger auf freien Fuß gesetzt

15. Mai 2001, 20:33
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Private spendeten 800.000 Schilling für Kaution - Neuer Mordprozess

Salzburg - Der 26-jährige Peter Heidegger aus Gmunden, der am 11. Juni 1994 am Salzburger Landesgericht wegen Mordes an der Salzburger Taxilenkerin Claudia D. im Jahr 1993 zu 17 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde, wie Dienstag bekannt wurde, vergangenen Freitag enthaftet. Die vom Oberlandesgericht Linz geforderte Kaution von 800.000 Schilling (58.138 Euro) nach der Neuzulassung des Prozesses wurde aus Spenden aufgebracht.

Wie berichtet, war die 28-jährige Taxilenkerin Claudia D. im Juli 1994 erschossen worden. Die Zeugenaussage eines Kellners brachte die ermittelnden Beamten auf die Spur des damaligen Präsenzdieners Heidegger. Dieser gab nach längerem Verhören die Tat zu, widerrief das Geständnis allerdings vor Gericht. Schon im Laufe des Verfahrens wurde Kritik an der Spurensicherung laut.

Rechtsanwalt Franz Gerald Hitzenbichler, der die Vertretung Heideggers erst später übernahm, stieß bei der Durchleuchtung des Falls auf zahlreiche Ermittlungspannen: Als etwa Heidegger dem Kellner zwecks möglicher Wiedererkennung gegenübergestellt wurde, wich die Polizei vom sonst üblichen Prozedere ab. Anstatt dem Kellner mehrere Personen gegenüberzustellen, hatte dieser nur Heidegger vis-à-vis. Die "Beimengung" von anderen (auf jeden Fall unschuldigen) Personen ist aber enorm wichtig, weil dadurch die Beurteilungsfähigkeit eines Zeugen überprüft weden kann. Eine weitere Ermittlungspanne betraf die Tatwaffe: Dass der Mord, wie die Kriminalisten behaupteten, mit einem umgebauten Signalstift begangen worden sein soll, ist bereits eindeutig widerlegt.

Anwalt Hitzenbichler nahm in der Folge den Kampf um ein neues Verfahren auf. Und obwohl ein dreiköpfiger Richtersenat am 18. Jänner dieses Jahres bereits zum zweiten Mal zugunsten einer Wiederaufnahme des Verfahrens entschieden hatte, reichte die Staatsanwaltschaft erneut gegen die Entscheidung Beschwerde ein.

Das Oberlandesgericht Linz gab schließlich "grünes Licht" für eine Neuauflage des Prozesses, doch diesmal berief sich der zuständige Untersuchungsrichter in Salzburg auf "Flucht- und Verdunkelungsgefahr". Für Heidegger galt zwar wieder die Unschuldsvermutung, dennoch musste er in Untersuchungshaft. Schlupfloch: Kaution. Den größten Brocken - rund eine halbe Million - stellte eine Salzburgerin zur Verfügung, der Rest stammt laut Verteidiger von "unbeteiligten Leuten aus der Bevölkerung, die der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen wollen".

Für Heidegger gelten Auflagen: So muss er bei seiner Mutter wohnen, Arbeit aufnehmen und seinen Pass abgeben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe 16. 5. 2001)

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