Deutscher Atomtransport passiert Grenze ins Nuklear-Paradies Frankreich

15. Mai 2001, 19:37
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Blockaden wie in Deutschland sind dort eher nicht mehr zu erwarten

Lauterbourg - Der Atommüll-Transport aus den norddeutschen Kernkraftwerken Stade und Brunsbüttel ist am Dienstag nach einzelnen Blockaden planmäßig nach Frankreich gerollt. Der Zug mit insgesamt 54 abgebrannten Brennelementen passierte nach Angaben des deutschen Bundesgrenzschutzes am frühen Abend die deutsch-französische Grenze bei Wörth in Rheinland-Pfalz und soll bis Mittwochmittag den Bahnhof Valognes nahe der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague erreichen. In der Nacht zum Dienstag hatten Atomkraftgegner in Niedersachsen mehrmals die Bahnstrecke blockiert und den Zug kurzzeitig zum Stehen gebracht. Bei Stade hatten sich zwei Umweltschützer an die Gleise gekettet.

An den Protestaktionen in Norddeutschland beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 500 Atomkraftgegner. Anti-Atom-Initiativen sprachen von 3.000 Teilnehmern. Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) nahmen nach eigenen Angaben rund 70 Atomkraftgegner fest oder in Gewahrsam und erteilten mehrere Dutzend Platzverweise. "Nach den Blockaden in Niedersachsen verlief der Transport störungsfrei", sagte ein BGS-Sprecher in Wörth. Am Grenzbahnhof wurden die Loks sowie die Polizeikräfte, die den Zug begleiten, ausgetauscht.

Dienstag früh waren die Waggons mit einem Behälter aus Stade und zwei Behältern aus Brunsbüttel auf dem Rangierbahnhof Maschen südlich von Hamburg zusammengekoppelt worden. Zuvor war der Zug aus dem Atomkraftwerk Stade unmittelbar nach dem Start von Mitgliedern der Umweltschutzorganisation Robin Wood für rund eine Stunde gestoppt worden. Zwei junge Männer ketteten sich nach BGS-Angaben in Rohren unter den Schienen an.

Bei Lüneburg und bei Uelzen gelang es einige Stunden später nach Angaben des BGS Gruppen von jeweils 30 bis 40 Atomkraftgegnern, die Polizeisperren zu durchbrechen und die Gleise zu besetzen. Die Schienen seien jedoch nach kurzer Zeit von Polizei und BGS geräumt worden. (APA/Reuters)

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