Klima sagt vor Euroteam-Ausschuss aus

15. Mai 2001, 18:45
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"Ich war persönlich in Auftragsvergabe und Abwicklung nie involviert"

Wien - Der Euroteam-Untersuchungsausschuss hat am Dienstag Altbundeskanzler Viktor Klima (SP) einvernommen. Kein Detailwissen hatte Klima nach eigenen Angaben über die Auftrags-Vergabe an den SP-nahen Verein Euroteam. "Ich war persönlich in Auftragsvergabe und Abwicklung nie involviert", so Klima. Es sei ihm damals "egal" gewesen, wer mit der Koordination der Lehrlingsoffensive beauftragt werde.

Welcher seiner Mitarbeiter den Namen Euroteam ins Spiel gebracht hatte, konnte Klima nicht mehr sagen. Er gehe jedenfalls davon aus, dass die Vergabe ordnungsgemäß abgelaufen sei, meinte Klima.

"Lose" Beziehung zu Stuhlpfarrer

Zu Euroteam-Chef Lukas Stuhlpfarrer, der sich als Lehrlingsbeauftragter der Regierung bezeichnete, habe er nur eine "lose" Beziehung gehabt, sagte Klima. Zum "Lehrlingsbeauftragten" habe er ihn jedenfalls nicht ernannt. Dass zwei seiner Mitarbeiter Euroteam-Funktionen hatten, sei ihm damals nicht bekannt gewesen. Sein Sohn, der vom Verein als Rechnungsprüfer geführt worden war, habe ihm glaubhaft versichert, davon nichts gewusst zu haben, so Klima.

Die Euroteam-Funktion des Klima-Sohnes Jan hatte im Sommer 1999 für Aufsehen gesorgt. So wurde ein Beitrag in der "Zeit im Bild" um jene acht Sekunden gekürzt, in denen von der angeblichen Verwicklung Jan Klimas in die Euroteam-Affäre die Rede war. Er selbst habe in dieser Sache sicher nicht interveniert, so Klima.

"Stehe zu Verantwortung", Mitarbeiter ausgewählt zu haben

Klima fühlt sich von seinen ehemaligen Mitarbeitern "nicht hintergangen". Er gehe nach wie vor davon aus, dass sowohl sein Pressesprecher David Mock als auch sein Sekretär Thomas Drozda im Zusammenhang mit der Euroteam-Affäre nichts Unrechtes getan hätten, so Klima am Dienstag im Euroteam-Untersuchungsausschuss. Ihre Funktionen im Verein Euroteam hätten sie ihm zwar verschwiegen, meinte Klima, er zeigte sich aber nachsichtig: "Wenn sie selbst irgendein Problem darin gesehen hätten, dann hätten sie es mir gesagt."

Auch vom gemeinsamen "Freizeit-Verein" Mocks mit den Euroteam-Gründern Lukas Stuhlpfarrer und Franz Bernthaler habe er nichts gewusst. "Wenn es so ein intensives Naheverhältnis gegeben hätte, dann gehe ich davon aus, dass sie es mir gesagt hätten", so Klima: "Insofern stehe ich auch zu meinen Leuten und insofern stehe ich auch zu der Verantwortung, sie ausgewählt zu haben". Von "Vetternwirtschaft" in seinem Umfeld wollte Klima nicht sprechen.

Für Öllinger sehrwohl Freunderlwirtschaft

Dies wollte das Grüne Ausschuss-Mitglied Karl Öllinger wiederum nicht akzeptieren: Sowohl Drozda als auch Mock sowie die Mitarbeiter von Sozialministerin Lore Hostasch und Finanzminister Rudolf Edlinger, Gerald Gerstbauer und Erich Holnsteiner, seien Euroteam-Mitglieder gewesen. "Da können Sie nicht sagen, es gab keine Freunderlwirtschaft", meinte Öllinger in Richtung Klima.

ÖVP-Fraktionschef Helmut Kukacka sprach von einer "Sekretärsherrschaft" in den Ministerien. Für den FP-Abgeordneten Reinhart Gaugg ist es "frappierend", "dass Herr Stuhlpfarrer sich offensichtlich im SP-Establishment wie ein Fisch in heimischen Gewässern bewegte, ihn inzwischen aber die meisten gar nicht kennen wollen".

Sekretär im Zeugenstand

Der damalige Klima-Sekretär Drozda stritt jede Intervention zu Gunsten Euroteams ab und nahm auch seinen Kollegen, Pressesprecher David Mock, in Schutz. Mock sei bei Euroteam lediglich eine "Karteileiche" gewesen, meinte Drozda. Er selbst habe sich erst nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett Klimas dazu überreden lassen, Mitglied des Euroteam-Aufsichtsrates zu werden und habe zuvor keine Funktion in dem Verein inne gehabt.

Sein Aufsichtsrats-Mandat habe er im Oktober 1998 angenommen und im Juli 1999, nach dem Scheitern einer vom Aufsichtsrat eingeleiteten Sonderprüfung der Euroteam AG, wieder zurückgelegt. Es habe keine Belege für irgendwelche Aktivitäten des Vereins gegeben, so Drozda. Euroteam-Chef Lukas Stuhlpfarrer habe er 1990 kennen gelernt und auch als Koordinator der Lehrlingsoffensive im Bundeskanzleramt vorgeschlagen, berichtete Drozda. Allerdings sei die Idee dazu von Gerald Gerstbauer gekommen. Der Sekretär von Sozialministerin Lore Hostasch (SP) war Euroteam-Gründungsmitglied und bis 1997 bei dem Verein tätig. (APA)

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