Ein Armutszeugnis von Claudia Ruff

14. Mai 2001, 20:12
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Das seit 1993 amtierende rot-schwarze Vorstandsduo der AUA, Herbert Bammer und Mario Rehulka, muss vorzeitig gehen, weil es die schwarz-blau besetzte Staatsholding ÖIAG so will. Bammer und Rehulka teilen damit das Schicksal Rudolf Streichers, der schon zu Jahresbeginn zum Aufgeben genötigt wurde. Kürzlich erst wurde Helmut Draxler bei der ÖBB abserviert, und Heinz Sundt dürfte bei der Telekom bald Ähnliches bevorstehen. Wenn die alle weg sind, bleibt nur noch einer aus der alten Gilde: der derzeitige ÖIAG-Chef Johannes Ditz. Bleibt abzuwarten, wann auch ihm die Stunde schlägt. Für eine Regierung, die sich die Objektivierung der Postenvergabe auf ihre Fahnen heftet, ist dies ein Armutszeugnis.

Gefragt ist also nicht mehr die Qualifikation, die all diesen Herren bei ihrem Abgang ausdrücklich bescheinigt wurde. Gesucht werden heute vielmehr Freunde des FPÖ-Politikers Thomas Prinzhorn, der als enger Vertrauter von Finanzminister Karl-Heinz Grasser gilt. Wer wie Prinzhorn aus der Papierindustrie kommt, hat de facto eine Freikarte für eine Führungsposition. Und Papiermanager müssen wahre Wunderwuzzis sein, sonst wären sie wohl nicht so zahlreich im ÖIAG-Aufsichtsrat vertreten und für Führungsposten aller Art im Gespräch.

Ein pikantes Detail an diesem Vorstandsschießen ist, dass der schwarze Ditz seinem Parteikollegen Rehulka die Botschaft verkündet, vor Ablauf seines bis 2003 laufenden Vertrages das Feld räumen zu müssen. Rehulka, der 59 Jahre zählt, muss sich gefrotzelt vorkommen, wo er doch erst vor wenigen Tagen die Botschaft von Parteifreund und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel vernahm, arbeiten bis 65 sei angesagt. So viel zur Kompetenz einer Regierungspartei, die in grauer Vorzeit einmal im Geruch stand, eine Wirtschaftspartei zu sein.

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