Silvio Berlusconi, Wahlgewinner in Italien

14. Mai 2001, 19:49
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Der Besitzer des Hauses der Freiheiten

Die Freiheit - oder die Freiheiten - wohnen in Italien in einem Haus, der Casa delle libertà. Es ist himmelblau, azzurro, angestrichen und gehört Silvio Berlusconi, 64. Es ist nicht sein einziges, aber wir wollen einmal annehmen, dass seine Villen in Arcore, Portofino, in St. Moritz, auf Sardinien und anderswo ein bisschen eleganter gestrickt sind als das etwas protzige, etwas kitschige und spießige, aber rundum gediegen wirkende Haus, nachdem er die Italiener und Italienerinnen mittels seines Fernsehens und seiner Presse und seiner Fußball-, Hockey- und Volleyballteams und vielleicht noch mithilfe des in seinen Supermärkten verkauften Hundefutters süchtig gemacht hat.

Sie allesamt haben Berlusconi nicht trotz irgendetwas, das dem Economist oder anderen linkslinken europäischen Medien nicht passt, gewählt, sondern gerade deswegen. "Italien ist kein normales Land. Auch eine Anomalie wie Berlusconi muss im Kontext des Landes gesehen werden", sagte einmal der Berlusconi-Fernsehmacher Fedele Confalonieri und meinte es durchaus nett: "Berlusconi hat nichts Schlimmeres getan als jeder andere Geschäftsmann in Italien." Nur erfolgreicher. Ein Vorbild.

Die Steine auf dem Weg Berlusconis vom Tellerwäscher und Schiffsentertainer zum Multimilliardär sind Anklagen wegen Falschaussagen, Bestechung, Schmiergeldzahlungen, Steuerhinterziehung und viele Fragen danach, woher das Geld, das man zum Aufbau eines solchen Imperiums braucht, gekommen ist. Die harmloseste Antwort: Kredite, die die Kreditwürdigkeit seiner Unternehmen meist überstiegen, eine der bösen: Mafiagelder.

In der 130-seitigen, reich bebilderten Hagiographie, mit der das Wahlvolk vor dem Urnengang beglückt wurde, kommen diese Dinge nicht vor, ebenso wenig wie das ganz spezielle Verhältnis, das Berlusconi mit dem später wegen Korruption verurteilten (inzwischen im tunesischen "Exil" verstorbenen) Ministerpräsidenten Bettino Craxi verband. Als 1984 einige seiner illegalen TV-Sender geschlossen wurden, eilte ihm Craxi per Dekret zu Hilfe. Das daraufhin gezimmerte Mediengesetz entsprach - miracolo! - ziemlich genau den Bedürfnissen Berlusconis: Jetzt waren seine drei nationalen Fernsehkanäle abgesegnet.

Berlusconi wurde im März 1994 schon einmal Regierungschef - nur drei Monate nachdem er seine "Forza Italia" gegründet hatte -, schon im Dezember musste er durch das Ausscheiden Umberto Bossis aufgeben. 1994 gab er in seinen Firmen alle Führungspositionen auf und betraute unter anderem seine zwei erwachsenen Kinder aus erster Ehe damit. Apropos Familie, in zweiter Ehe ist Berlusconi mit der wesentlich jüngeren Exschauspielerin Veronica Lario verheiratet, mit ihr hat er drei Kinder. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 5. 2001)

Gudrun Harrer
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