Umkehr des Trends: Rechte im Süden stark

14. Mai 2001, 19:42
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Außer in Neapel konnte Berlusconi zulegen

Der Sieg von Silvio Berlusconi sei eindeutig, aber "auf Kosten seiner bisherigen Bündnispartner passiert". Dadurch sei ein dauerhafter Bestand einer künftigen Regierung des Medientycoons infrage gestellt. Diese Einschätzung des Ausgangs der italienischen Wahlen vertrat der Chefredakteur der führenden süditalienischen Tageszeitung Il Mattino, Paolo Gambescia, in einem Gespräch mit dem STANDARD.

Da die Lega Nord faktisch halbiert wurde, müsse sich deren Chef Umberto Bossi die Frage stellen, ob er weiter von Berlusconis "Forza" umarmt werden wolle. Gewitterwolken zögen unvermeidlich auf, sagte Gambescia.

Eine zweite Überraschung neben dem Abschneiden der Lega sei die Umkehrung bisheriger Trends, konstatierte der Chef des Mattino in Neapel. Berlusconis Bündnis "Haus der Freiheit" stehe nicht wie bisher im Norden felsenfest, sondern sei verstärkt im Süden errichtet worden, vor allem in Kampanien und in Sizilien.

Ausnahme Neapel

Die Niederlage der Linken in Kampanien ist eine herbe Enttäuschung für den international bekannten ehemaligen Bürgermeister von Neapel, Antonio Bassolino, dem derzeitigen Regionalpräsidenten. Ihm bleibt für "seine" Stadt eine einzige Hoffnung. Die ehemalige Arbeitsministerin unter Romano Prodi, Rosa Russo Jervolino, liegt nach bisherigen Auszählungen knapp vor dem Berlusconi-Kandidaten Tajani.

Gambescia kam auch noch auf die europäische Dimension zu sprechen. Nicht der Faschismus sei Italiens aktuelles Problem. Denn die extremen Faschisten Pino Rautis ("Fiamma Tricolore") hätten nur 0,5 Prozent erhalten. Das große Problem sei die Tatsache, dass der künftige Premier des Landes gleichzeitig dessen größter Medienunternehmer sei. Dieser Widerspruch sei einmalig in Europa. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 5. 2001)

Gerfried Sperl aus Neapel
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