Stimmen für einen Streik werden täglich lauter

14. Mai 2001, 19:41
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Personalvertreter der heimischen Unis wollen ernst machen

Wien - Die Situation spitzt sich derzeit zu: Die Personalvertretung der Hochschullehrer an der TU Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien, der Unis Klagenfurt und Salzburg sowie zuletzt am Montag an der Uni Linz haben einen Streik wegen des neuen Dienstrechts vorgeschlagen. Entscheiden muss darüber demnächst das Präsidium der Gewerkschaft öffentlicher Dienst, aus dem bisher allerdings keine Signale für eine Arbeitsniederlegung an den Universitäten gedrungen sind. Außerdem gibt es noch eine Verhandlungsrunde am 22. Mai zwischen Gewerkschaft und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer.

Die Zeit drängt: Das Reformwerk soll bereits einen Tag später, am 23. Mai, in Begutachtung ausgeschickt werden. Hochschullehrervertreter Herbert Sassik, Physiker an der TU Wien, befürchtet Scheinverhandlungen. An zwei Punkten spießt es sich: In der Gruppe des neuen "Assistenten in Ausbildung" würden 1500 Menschen nach vier Jahren "einfach rausgeschmissen, kritisiert die Gewerkschaft. Der zweite Knackpunkt sind die so genannten "Systemerhalter" - also Assistenten, die zwar nicht habilitiert oder ähnliche wissenschaftliche Leistungen vorgelegt haben (und sich daher nicht für die nächste Stufe bewerben können), aber für die Aufrechterhaltung des Betriebes unentbehrlich sind, etwa weil sie für bestimmte, technische Einrichtungen zuständig sind. Sie sollen nach dem Wunsch der Gewerkschaft bleiben dürfen.

Im Bildungsministerium beruhigt man: Es gehe nicht "um plumpe Hire and Fire-Politik", sondern darum, den Anspruch der Uni auf höchste Leistung zu sichern. "Wirklich gute Leute" werde man behalten können, sagt Sektionschef Sigurd Höllinger. Aber auch der junge Wissenschaftsnachwuchs müsse eine Chance bekommen. Neu Eintretende werden nicht mehr pragmatisiert. Unterstützung für das Ressort kam am Montag von den Professorenverbänden der Unis Wien und Salzburg - zumindest, was die Autonomie betrifft. In einer Resolution unterstützen sie den Reformprozess. Es müsse aber eine bedarfsgerechte Startausstattung sowie auf Qualifikation abgestimmte Mitbestimmung geben. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 15. 5. 2001)

Von Martina Salomon
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