Juniorprofessoren und Zulagen nach Leistung

15. Mai 2001, 10:02
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Deutsche Dienstrechtsreform heftig umstritten

Seit die deutsche Bildungsministerin und SPD-Politikerin Edelgard Bulmahn ihr Konzept für die Reform des Dienstrechts, das noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, vergangenen September präsentiert hat, gehen die Wogen hoch. 3759 Professoren protestierten vor kurzem in einer vierseitigen Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegen die Pläne.

Das geradezu revolutionäre Konzept sieht vor, das Professorengehalt "leistungsabhängig" zu gestalten, die Habilitation abzuschaffen und eine Juniorprofessur einzuführen, die auf zweimal drei Jahre befristet werden soll. Etwa 6000 Stellen sollen bundesweit geschaffen werden. Juniorprofessoren sollen ein Gehalt von 6000 DM (42.200 S/3070 EURO) bekommen.

Mit diesem Plan will Bulmahn die Abwanderung von deutschen Nachwuchswissenschaftern ins Ausland stoppen: Es müsse Schluss sein mit einem System, "bei dem junge Wissenschafter in direkter persönlicher Abhängigkeit von einem Professor über Jahre ihre Habilitation als formalen Nachweis für ihre Forschungsleistungen schreiben müssen", so Bulmahn.

Für Professoren - und zwar an Fachhochschulen und Universitäten - soll es nach den Vorstellungen der SPD-Politikerin nur noch zwei Besoldungsstufen geben: Die erste Stufe sieht ein Grundgehalt von 7000 DM (49.200 S) und eine variable Zulage von 2000 DM (14.100 S) vor, die zweite ein Fixum von 8500 DM und eine Zulage von 3100 DM (insgesamt 81.600 S). Der variable Bestandteil setzt sich aus der Bewertung von Leistung in Lehre und Forschung oder der Studienbetreuung zusammen. Anders als von einer Expertenkommission vorgesehen, möchte Bulmahn, dass diese Zulagen wieder aberkannt werden können.

Die Interessenvertretungen kritisieren vor allem die Gehaltseinbußen von umgerechnet 10.500 Schilling für Professoren. Positiv wurde die Gleichstellung der Fachhochschulprofessoren und die Abschaffung der Habilitation aufgenommen. Da sich auch in den Bundesländern, die die Besoldungsneuregelung umsetzen müssten, Widerstand regt, ist fraglich, ob Bulmahn die Reform vor den Wahlen im Herbst 2002 umsetzen kann. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 15. 5. 2001)

STANDARD- Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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