Giftiger Computerschrott

14. Mai 2001, 19:51
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EU-Richtlinie soll sichere Entsorgung von Elektronikmüll erzwingen

Elektronische und elektrische Altgeräte sollen nicht mehr einfach auf der Mülldeponie landen. Stattdessen sollen die Hersteller verpflichtet werden, alte Computer, Fernseher oder Waschmaschinen zurückzunehmen und umweltfreundlich zu entsorgen. Außerdem soll die Menge von giftigen Stoffen in Elektronikgeräten verringert werden.

Dies sehen zwei Richtlinienentwürfe der EU-Kommission vor, über die das Europäische Parlament am heutigen Dienstag im Europäischen Parlament in Straßburg in erster Lesung berät. Durch die neuen Vorschriften könnten die Gerätepreise im Ergebnis um bis zu drei Prozent steigen, so Schätzungen.

EU-Umweltkommissarin Margot Wallström beschreibt die Lage als dramatisch: "Elektro- und Elektronikaltgeräte stellen aufgrund des Tempos der technologischen Innovation einen der am schnellsten wachsenden Abfallströme in der Europäischen Union dar." Nach Angaben der EU-Kommission macht Elektroschrott vier Prozent der kommunalen Abfälle in der EU aus. Im Jahr 1998 wurden sechs Millionen Tonnen Elektroschrott in der EU entsorgt. Alle fünf Jahre nehme diese Menge um 16 bis 28 Prozent zu - dreimal schneller als die üblichen kommunalen Abfälle.

Dabei ist Elektronikschrott besonders umweltgefährdend. Er sei eine der größten bekannten Quellen von Schwermetallen und organischen Schadstoffen im Hausmüll, so die EU-Kommission. Die Geräte enthalten unter anderem Blei, Quecksilber, Cadmium, sechswertiges Chrom und die bromierten Flammhemmer PBB und PBDE. Bisher werden über 90 Prozent der elektronischen Abfälle in Europa ohne jede Vorbehandlung beseitigt oder geschreddert.

Die Richtlinienentwürfe sehen nun vor, dass die Verbraucher kostenlos ihre Geräte bei bestimmten Annahmestellen zurückgeben können. Die Hersteller müssen sich dann um die umweltschonende Entsorgung kümmern. Für Umweltschäden haften die Produzenten. Letzteres, so hofft man, wird zu Innovationen bei der Herstellung führen, da die Unternehmen dadurch unter Druck stehen. Für die Schwermetalle und giftigen Flammhemmer müssen bis 2008 Alternativen für den Einsatz in Elektrogeräten gefunden werden. Für die Geräte, die bei Inkrafttreten der Richtlinien bereits verkauft sind, soll es Übergangsregelungen geben, um die Hersteller nicht zu überlasten.

Kritiker - so der EU-Wirtschafts- und Sozialausschuss und der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments - begrüßen die Vorlage, halten die Vorlage aber nicht für ambitioniert genug. Sie wollen kürzere Übergangsfristen, eine bessere Information der Verbraucher und strengere Richtwerte für die Sammelmengen.(STANDARD-Mitarbeiter Jörg Wojahn aus Brüssel, Der Standard, Printausgabe, 15.05.201)

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