Schon 3000 Menschen in Altersteilzeit

14. Mai 2001, 19:31
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Kassa des Arbeitsmarktservices über Jahre strapaziert - Wien kürzt Eingliederungsbeihilfe

Wien - Immer mehr Firmen schicken ältere Mitarbeiter in die Altersteilzeit, statt sie zu kündigen. Was für manche Betroffenen attraktiv sein mag - nur halb so viel arbeiten für drei Viertel der früheren Gage - wächst sich für das Arbeitsmarktservice (AMS) aber zu einem veritablen finanziellen Problem aus.

Denn mit 3000 Personen ist im April die Zahl der Menschen in Altersteilzeit gegenüber dem Vorjahr geradezu explodiert, als es nur 129 waren. Das AMS, das laut Gesetz einen Teil des Gehalts dazuzahlen muss, kosten allein die bisherigen Altersteilzeitpensionisten heuer mindestens 540 Millionen Schilling. Da aber nicht zu erwarten ist, dass kein einziger Mensch mehr im Laufe des Jahres hinzukommt, wird das AMS noch viel tiefer in die Kassa greifen müssen.

Da die Altersteilzeit auf sechseinhalb Jahre angelegt ist und einen Rechtsanspruch begründet, kommen diese Zahlungsverpflichtungen auch in den nächsten Jahren fix auf das AMS zu. Schließlich kommen dafür Frauen ab 50 und Männer ab 55 infrage, also zehn Jahre vor dem regulären Pensionsalter und fünf Jahre vor dem Früpensionsalter. Im AMS müssen heuer Gelder umgeschaufelt werden, denn mit einer so hohen Belastung hatte im Herbst, als das AMS-Budget erstellt wurde, niemand gerechnet.

Regierung lockerte

Beginnend mit Oktober hat die schwarz-blaue Regierung die Altersteilzeit wesentlich erleichtert. Seitdem können Betriebe ältere Mitarbeiter gefördert in die Altersteilzeit schicken, ohne gleichzeitig Arbeitslose einstellen zu müssen. Damals gingen Wirtschaftsforscher und Regierung noch nicht davon aus, dass bis 2005 hierzulande 165.000 Arbeitskräfte fehlen würden. Im Herbst sprach auch noch kein Bundeskanzler davon, dass die Menschen bis 65 arbeiten müssten.

Wegen zu hohen Erfolgs hat das Wiener AMS im April die Notbremse bei einer anderen Aktion gezogen: bei der Einstellungsförderung für Ältere, Wiedereinsteigerinnen und Langzeitarbeitslose. Hier wurden die Voraussetzungen verschärft, bestätigt das AMS in Wien. Der Grund: Die Betriebe haben sehr stark die Chance genützt, sich das Einstellen dieser drei Problemgruppen bis zu einem Jahr lang vom AMS fast zu 100 Prozent zahlen zu lassen. 2400 Problemarbeitssuchende wur- den bis April untergebracht. Um mit den budgetierten 750 Mio. S für geplante 4500 Fälle das Auslangen zu finden, wurde die Förderzeit von zwölf auf sieben Monate verkürzt. In den ersten drei Monaten wird nur mehr für die Langzeitarbeitslosen 100 Prozent der Grundlage (Bruttolohn plus Hälfte der Lohnnebenkosten) bezahlt, für Wiedereinsteigerinnen und Ältere nur noch 50 Prozent. In den nächsten vier Monaten gibt es 50 Prozent für Langzeitarbeitslose und 25 Prozent für Wiedereinsteigerinnen und Ältere. (lyn, Der Standard, Printausgabe, 15.05.2001)

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