Neue AUA-Führung kommt im Herbst

14. Mai 2001, 18:54
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Headhunter Spencer Stuart sucht neue Vorstände - Aufsichtsrat muss Wechsel erst formell absegnen

Wien - ÖIAG- und AUA-Aufsichtsratschef Johannes Ditz gab am Montag das vorzeitige Ausscheiden der beiden amtierenden AUA-Generaldirektoren Herbert Bammer und Mario Rehulka "im beiderseitigen Einvernehmen" bekannt. DER STANDARD hatte bereits am Samstag exklusiv darüber berichtet. Noch vor fünf Tagen hatte es aus Ditzens Mund anders geklungen: Über eine Vorstandsveränderung werde derzeit nicht diskutiert, so Ditz bei der AUA-Hauptversammlung.

Einen formell notwendigen Aufsichtsratsbeschluss über das Ausscheiden Bammers und Rehulkas zum Jahresende und damit eineinhalb Jahre vor dem Auslaufen ihrer gültigen Verträgen kann Ditz freilich nicht vorweisen. Das werde bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 27. Juni nachgeholt, musste Ditz bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz eingestehen. Dennoch versicherte der ÖIAG-Chef, dass alle Aufsichtsräte über den Wunsch der ÖIAG nach einem Wechsel an der AUA-Spitze informiert worden seien. Die ÖIAG hält 39,7 Prozent an der AUA.

Beim Aufsichtsrat am 27. Juni soll auch die Ausschreibung für die neuen AUA-Chefs abgesegnet werden. Mit der Suche nach einem Generaldirektor, einem Controller für die gesamte Gruppe (Tyrolean, Lauda Air und Rheintalflug) und eventuell noch einem dritten Vorstand wurde die Headhunting-Agentur Spencer Stuart beauftragt. Es ist das gleiche Unternehmen, das derzeit bereits einen Marketingvorstand für die Telekom Austria ausfindig machen soll. Ditz meinte, dass das neue Management die Geschäfte zwei Perioden hindurch führen sollte.

Ditz, der die bisherige Arbeit beider AUA-Chefs ausdrücklich lobte, wünscht sich eine jüngere Führungscrew, die die Herausforderungen des nun entstandenen AUA-Konzerns meistert. Das amtierende Vorstandsduo soll die neue zu bestellende Mannschaft ab dem Herbst begleiten, um eine geordnete Hofübergabe zu gewährleisten.

Ditz wies die Frage des STANDARD zurück, ob nach den Abgängen von Rudolf Streicher, Bammer, Rehulka und wahrscheinlich Telekom-Chef Heinz Sundt nicht er selbst als nächster Spitzenmanager im ÖIAG-Bereich den Hut werde nehmen müssen. Er habe seit dem Abgang Streichers zu Jahresbeginn doppelte Arbeit geleistet und sei so schlecht nicht unterwegs, meinte Ditz. Die Entscheidung aber falle am 25. Mai.

Höhere Entschädigung

Was ihm bei der diesjährigen AUA-Hauptversammlung nicht gelang, will Ditz bei der nächsten im Jahr 2001 erreichen: Die Aufsichtsvergütungen sollen erhöht werden. Um wie viel, konnte er nicht sagen. Ditz begründete dies mit den "ambitionierten Anforderungen" an den Aufsichtsrat. Derzeit bekommt der Vorsitzende 144.000 S (10.464 EURO), sein Stellvertreter 108.000 S und 74.000 S der Rest der Mannschaft im Jahr. Zusätzlich erhält jeder pro Sitzung 1000 Schilling.

Über die Kosten für das vorzeitige Ausscheiden von Bammer und Rehulka wollte Ditz keine Angaben machen. Sie würden aber nur einen Bruchteil jener Ausgaben ausmachen, die im Vorjahr an Beraterhonoraren im Kampf AUA gegen Lauda anfielen. Diese lagen bei 17,9 Mio. S.

Vom neuen Vorstand erwartet Ditz ein verstärktes Engagement am Kapitalmarkt, das den Aktienkurs wieder mehr belebt. Experten bezweifeln allerdings, dass der oft geäußerte Wunsch nach Roadshows vor internationalen Investoren den AUA-Kurs beleben könnten. Denn diese schrecke vor allem der Einfluss der ÖIAG ab. (cr, Der Standard, Printausgabe, 15.05.2001)

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