Britischer Abgeordneter bleibt bei Schröder-Hitler- Vergleich

14. Mai 2001, 19:47
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Tory Tapsell vergleicht EU-Visionen des deutschen Kanzlers mit historischem Militarismus Deutschlands

London - Der konservative britische Abgeordnete Peter Tapsell will sich nicht für einen Vergleich der deutschen Europapolitik mit den Plänen Adolf Hitlers entschuldigen. In einem Interview, das der Rundfunksender BBC am Montag ausstrahlte, bekräftigte Tapsell seine Angriffe auf Deutschland von der vergangenen Woche. "Ich bedaure meine Äußerungen nicht", sagte er am Montag im britischen Rundfunk BBC. Von dem Vergleich Tapsells hatte sich Konservativen-Chef William Hague distanziert.

Vor Parteianhängern hatte der Politiker am Wochenende erklärt, es sei absurd, nicht zu glauben, dass Deutschland die Vorherrschaft in Europa anstrebe. "Es mag sein, dass wir Hitlers "Mein Kampf" nicht rechtzeitig gelesen haben, aber wir sollten, um alles in der Welt, den Schröder-Plan sorgfältig lesen." Dabei geht es um die Vorschläge des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) zu einer EU-Reform. Dieser hatte dafür plädiert, die EU-Kommission zu einer Regierung aufzuwerten, das Europaparlament mit voller Budgethoheit auszustatten und den Ministerrat auf eine Staatenkammer zurückzustutzen.

Hitlers 'Mein Kampf' sei in den 20er und 30er Jahren nicht ernst genommen worden, sagte der Abgeordnete. Zwar sei Schröders Vorschlag eines radikalen Umbaus der europäischen Institutionen etwas ganz anderes, und er habe keine militaristischen Untertöne, aber es handle sich um einen Plan für die Gründung eines europäischen Superstaates. "Man kann heute nicht die europäische Geschichte betrachten, ohne auf die Vergangenheit Deutschlands zu blicken", sagte Tapsell.

"Deutschland hat innerhalb von 80 Jahren vier Angriffskriege geführt", sagte Tapsell unter Hinweis auf die Kriege gegen Österreich-Ungarn, Frankreich sowie die Weltkriege 1914 und 1939. "Wenn man einen deutschen Vorschlag anschaut, wonach eine Form von europäischer Verfassung geschaffen würde, unter der Großbritannien regiert würde, dann wäre es doch absurd, nicht zu denken, dass Deutschland, auch wenn es jetzt friedfertig ist, durch verfassungsmäßige und politische Mittel jene Art von Dominanz über Europa zu erreichen versucht, die deutsche Politiker 200 Jahre lang zu erreichen versucht haben." (APA/AP/dpa)

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