Haneke will keine Botschaften vermitteln

14. Mai 2001, 17:52
posten

"Botschaften vermittelt die Post" - Pressekonferenz verlief positiver als Filmpräsentation

Wien - "Ich will keine Botschaften vermitteln, Botschaften vermittelt die Post." Die Interpretation der "Klavierspielerin" sei Sache der Zuschauer, meinte Michael Haneke zur Frage, was er mit seinem Film ausdrücken wolle, auf einer Pressekonferenz in Cannes, bei der das Film-Team wesentlich wärmer aufgenommen wurde als der Film am Vorabend. "'Die Klavierspielerin' ist die Parodie eines Melodrams, so wie Jelineks Text die Parodie eines Liebesromans ist." Dass während der Pressevorstellung am Montag Abend immer wieder gelacht wurde, überraschte den Regisseur daher nicht. "Es gibt in dem Film viel Humor, viele Szenen, die komisch und schrecklich zugleich sind. Auch bei 'Funny Games' gab es einige hysterische Lacher bei den härtesten Stellen."

Huppert: "Haneke stellt sich immer die Frage nach dem Sinn und der Aufgabe des Kinos"

Einstimmig beschrieben Huppert, Magimel und Girardot die Dreharbeiten nicht als schmerzvolle, sondern lustvolle Erfahrung, auch wenn sie nicht immer einfach gewesen seien. "Es gab natürlich Diskussionen darüber, was darstellbar ist und was nicht", so Huppert, "aber Haneke ist ein Regisseur, der sich immer die Frage nach dem Sinn und der Aufgabe des Kinos stellt, und das war während der Arbeit spürbar und hat den Schauspielern ein Gefühl von Schutz und Sicherheit gegeben."

"Die Klavierspielerin ist zwar hochneurotisch, aber sicher nicht krank"

Huppert sieht in der "Klavierspielerin" eine Frau, die sich das Recht heraus nimmt, die Spielregeln zwischen Mann und Frau neu zu regeln, "eine Figur, die in ihren Fantasien lebt. Es ist ein Film über Kontrolle und Kontrollverlust." Die Figur der Klavierspielerin sei zwar hoch neurotisch, "und insofern nicht repräsentativ für die Gesellschaft", aber sicher keine kranke Frau, meinte auch Haneke, "auch Elfriede Jelinek sieht das so". "Sie ist das Resultat einer Gesellschaft und von Beziehungen, die repräsentativ für unsere Gesellschaft sind", und zwar nicht nur für die österreichische, sondern "mindestens für ganz Europa". Spezifisch österreichisch sei höchstens die Beziehung dieser Mechanismen zur Musik, die für diesem Film sehr wichtig sei, "die tiefe Traurigkeit in der Musik von Schubert und Schumann, Erikas Lieblingskomponisten, und die Beziehungen der Texte der Schubert-Lieder zu den jeweiligen Szenen."

Klavierspielanfänger Magimel wollte Szenen lieber in Zeitlupe drehen

Sowohl Huppert als auch Magimel spielten im Film übrigens selbst Klavier. Während Huppert schon als Kind Unterricht hatte und sich "nur" wieder neu damit befassen musste, lernte Magimel als völliger Anfänger innerhalb von drei Monaten drei Stücke Note für Note ein. Für Heiterkeit sorgte seine Idee, die scheinbar nicht zu bewältigende Aufgabe zu erleichtern. "Ich habe Haneke vorgeschlagen, ob wir das nicht in Zeitlupe drehen können, und später in die richtige Geschwindigkeit bringen." (APA)

Share if you care.