Prominente Opfer der Wahlen

14. Mai 2001, 19:31
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Sechs Minister der Regierung Amato abgewählt - D'Alema siegt in Gallipoli

In der Katerstimmung nach der Niederlage gegen Silvio Berlusconi bleibt der Linken zumindest ein Trost: Der ehemalige Ministerpräsident Massimo D'Alema von den Linksdemokraten zieht wieder ins Parlament ein. Alles deutet darauf hin, dass er dort neuer Oppositionsführer wird.

D'Alema hat trotz des beispiellosen Trommelfeuers der Rechten seinen Sitz in Gallipoli verteidigt. In seinem Wahlkreis im Süden Apuliens besiegte er den Richter Alfredo Mantovano von der rechten Alleanza Nazionale mit 52 zu 45 Prozent. "Ein schöner Erfolg angesichts der Verleumdungskampagne gegen mich", freut sich D'Alema.

Minister hinaus

Das Wahlergebnis bietet für das Linksbündnis sonst wenig Anlass zur Genugtuung. Gleich sechs Minister der Regierung von Giuliano Amato blieben auf der Strecke. Innenminister Enzo Bianco musste neben der massiven Kritik am beispiellosen Wahlchaos auch eine Niederlage im sizilianischen Catania hinnehmen, wo er jahrelang Bürgermeister war. Umweltminister Willer Bordon blieb im Friaul trotz seines medienwirksamen Kampfes gegen den Elektrosmog von Radio Vatikan auf der Strecke. Innenminister Enrico Letta musste sich in der Toskana um ganze 334 Stimmen geschlagen geben, und auch Finanzminister Ottaviano del Turco gehört zum Kreis der illustren Verlierer.

Prominentestes Opfer im Rechtsbündnis ist der als zukünftiger Innenminister gehandelte Berlusconi-Intimus Franco Frattini. Trotz seiner Allianz mit den Neofaschisten wurde er in Bozen vom Kandidaten des Ulivo und der Südtiroler Volkspartei klar geschlagen.

Antonio im Pech

Im Sinken ist offenbar weiter der Stern des ehemaligen Schmiergeld-Starermittlers Antonio Di Pietro, der in der Politik nie so richtig Fuß gefasst hat. In seiner Heimatregion Molise landete er nur an dritter Stelle und muss jetzt um den Einzug ins Parlament bangen.

Erwartungsgemäß endete dagegen in Mailand das Duell zwischen den beiden Milan-Symbolfiguren Silvio Berlusconi und Gianni Rivera - dem Besitzer des Fußballclubs und dessen legendärer Kapitän in den 60er-Jahren. Der ehemalige Mittelstürmer kam nur auf 37 Prozent der Stimmen, Berlusconi auf beinahe 54 Prozent.

Zu den Gewählten auf der rechten Seite gehören auch die beiden prominenten Berlusconi-Anwälte Gaetano Pecorella und Carlo Coppi: ein Indiz dafür, dass die noch offenen Verfahren gegen den zukünftigen Ministerpräsidenten wohl kaum zu Ende geführt werden können.

Und in Triest gewann der langjährige Bürgermeister Riccardo Illy (Ulivo) wie erwartet das Duell gegen den exzentrischen Fernsehmoderator Vittorio Sgarbi.

Nicht alle Verlierer lassen sich jedoch über ihre Niederlage graue Haare wachsen. Der rechte Anwalt Franco Mugnai freut sich, dass er in der Toskana Ministerpräsident Giuliano Amato mit nur fünf Punkten unterlegen ist: "Für mich als ,Herr Niemand' ein großer Erfolg", lacht Mugnai. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 5. 2001)

STANDARD- Mitarbeiter Gerhard Mumelter aus Rom
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