Die Grenzen zwischen privaten Wünschen und gesellschaftlichen Zwängen erkunden

14. Mai 2001, 16:34
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Die Linzerin Anna Mitgutsch erhält den Solothurner Literaturpreis 2001

Solothurn - Der Solothurner Literaturpreis 2001 geht an die österreichische Schriftstellerin Anna Mitgutsch. Die 1948 in Linz geborene, heute in Linz und Boston lebende Autorin wird für ihr erzählerisches Gesamtwerk ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 Franken, rund 180.000 Schilling, dotiert. Er wird am 16. Juli in Solothurn feierlich überreicht.

Die Jury lobt in ihrer Begründung die behutsame Beharrlichkeit und die sprachliche wie kompositorische Souveränität, mit der Anna Mitgutsch in ihren bisher sechs Romanen die Grenzen zwischen privatem Wünschen und gesellschaftlichen Zwängen erkundet. Ihr fulminantes Debüt hat die studierte Sprachwissenschafterin 1985 mit dem Roman "Die Züchtigung" gegeben. Herausgefordert durch eine Frage ihrer Tochter erinnert sich eine Frau an die eigene, von Prügel und Dressur geprägte, einsame Kindheit.

Mutter und Kind stehen ebenfalls im Zentrum von "Ausgrenzung" (1989). Mit aller Kraft versucht Marta, ihrem scheinbar autistischen Kind ein würdiges Leben zu ermöglichen, auch um den Preis gesellschaftlicher Stigmatisierung durch eine verständnislose Umwelt. Die Hauptfiguren in den Büchern von Anna Mitgutsch stehen immer am Schnittpunkt von Geschichte und Gegenwart. In ihnen stehen Gefühle der Zugehörigkeit und der Entfremdung in beständigem Widersteit. Eindrücklich beweist dies der jüngste, vielbeachtete Roman der Preisträgerin "Haus der Kindheit" (2000). (APA/sda)

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