"Eine ganze Generation wächst ohne Eltern, ohne Lehrer, ohne Zukunft auf"

14. Mai 2001, 15:03
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Südlich der Sahara leben 12 Millionen Aids-Waisen

Nairobi - Mehr als zwölf Millionen Kinder auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara haben ihre Eltern durch Aids verloren. Nach einem am Montag veröffentlichten Bericht der britischen Hilfsorganisation "Christian Aid" wird die Zahl der Aids-Waisen auf dem Kontinent bis zum Jahr 2010 auf 43 Millionen steigen. Die Hilfsorganisation plädiert an die Regierungen reicherer Länder, mehr Geld für den Kampf gegen die tödliche Krankheit in Entwicklungsländern auszugeben.

Viele Kinder verwaisten gleich mehrere Male, wenn die Verwandten, die sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgenommen haben, auch an Aids sterben, heißt es in dem Bericht "No Excuses" (Keine Entschuldigungen). "Eine ganze Generation wächst ohne Eltern, ohne Lehrer, ohne Zukunft auf", sagte Christian Aid-Sprecher, Mark Curtis, am Montag im Radiosender BBC. Vielen Kindern bleibe nur die Straße, wo sie in einem "emotionalen und geistigen Vakuum aufwachsen", sagte Curtis.

Allein im letzten Jahr seien zwei Millionen Menschen in Afrika an der Immunschwächekrankheit gestorben. 25,3 Millionen Menschen auf dem Kontinent lebten mit HIV/Aids. Im subsaharischen Afrika sind nach dem Bericht bereits 8,5 Prozent der Bevölkerung infiziert. "Das Leben in den Dörfern stirbt aus, lokale Wirtschaftszweige verenden."

Die hohe Sterblichkeitsrate sei auch ökonomisch eine Katastrophe. Allein die südafrikanische Wirtschaft büße durch das Wegsterben von Arbeitern und Fachkräften bis zum Jahr 20101 umgerechnet fast 350 Milliarden Schilling ein. (APA/dpa)

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