Von Männern mit Kindern

21. Mai 2001, 16:50
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P. hat dazugelernt. Ganz ohne Nick Hornbys “About a Boy” zu lesen ist er draufgekommen, dass Männer mit Kind auf Frauen eine geradezu magische Anziehungskraft haben. Drum will sich P. jetzt immer öfter A., das Kind einer Freundin, “ausborgen”: Er und A. verstehen sich gut - und Frauen, egal ob Mütter oder nicht, bombardieren ihn seither in Parks, Cafés und auf mit Aufmerksamkeit, Einladungen und einer Menge mehr.

Dass der Knabe nicht der Spross der P.´schen Lenden ist, stört niemanden. P. am allerwenigsten: Wenn er A. wieder zu Hause abgegeben hat, hat er Zeit, um Telephonnummern “aufzuarbeiten”. P. hat einen sehr vollen Terminkalender.

P. ist kein übler Mensch. Kein Chauvi, Macho oder suspekter Geselle der Frauen ausnutzt oder schlecht behandelt. Die Masche mit A. hat er sich auch nicht selbst zugelegt - sie ist ihm passiert: Irgendwann war er mit V. und A. unterwegs und V. ist “rasch einkaufen” abgebogen. Als sie auf den Spielplatz nachkam, stand der sonst eher mittelpunktschwache P. unter schwerem Belagerungszustand.

Wahrnehmungsprobleme

V. ist seither irgendwie sauer: Früher gewohnt (und genervt), von Männern bemerkt, hofiert und umschwärmt zu werden, habe sich das seit A. schlagartig geändert. Mann, klagt V., nehme sie nicht mehr wahr. Das sei erstens bezeichnend, zweitens erniedrigend und drittens sexistisch. Viertens muß P. jedes mal, wenn er mit A. loszieht, beim Abholen und Zurückbringen eine Strafpredigt über sich ergehen lassen. Gegen Männer allgemein und ihn im Speziellen. Weil er das Kindausführen “instrumentalisiere”.

Vor wenigen Tagen hat V. P. angerufen und war zuckersüß. Ob er nicht in etwa einer halben Stunde vorbeikommen könne um auf A. aufzupassen. Sie wolle ausgehen und habe auf die Schnelle keinen Babysitter gefunden - aber der Mann, den sie gerade kennen gelernt habe, sei ein ganz ganz ganz Netter. So einen läßt man nicht einfach ziehen.

Noch dazu, wenn er so toll mit Kindern kann, schwärmte V.: Sie hat ihn im Park kennengelernt, am Spielplatz. Dort hat sie ihn auch angesprochen, obwohl “ich so etwas sonst eigentlich nicht mache”. Aber es war halt wirklich so allerliebst, wie er mit dem kleinen Mädchen in seiner Obhut gespielt hat. “Und das Beste”, meinte V. “es ist nicht seine Tochter, sondern die einer Freundin.”

P. konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Babysitten kam er trotzdem.

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