Ausgezeichnete Frauen

14. Mai 2001, 14:21
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Autorin Anna Mitgutsch und Filmpionierin Dassanowsky für ihr Werk geehrt

Filmpionierin Elfriede von Dassanowsky erhält französischen Kulturorden

Paris/Los Angeles/Wien - Elfi von Dassanowsky, aus Österreich gebürtige Filmproduzentin, Schauspielerin und Opernsängerin, ist zum Chavalier de l'Ordre des Arts et des Lettres ernannt worden. Prof. Elfi Dassanowsky wird die hohe französische Kultur-Auszeichnung im Juni in Los Angeles entgegennehmen.

Elfriede von Dassanowsky wurde am 2.2. 1924 in Wien geboren. Mit 16 Jahren kam sie als jüngste weibliche Studentin an die Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst, wo sie bei dem Konzertpianisten Emil Sauer studierte und daneben eine Stimmausbildung absolvierte.

Ihr Operndebüt feierte sie 1946 als Susanna in Mozarts "Hochzeit des Figaro" am St. Pöltner Stadttheater. Neben ihren Erfolgen auf Opern- und Operettenbühnen eroberte sie sich ein breites Schauspielterrain - vom klassischen Drama über naturalistische Heldinnen bis zur Salonkomödie. Sie arbeitete auch als BBC-Radiosprecherin in Wien und trat vor den alliierten Truppen in Wien auf. Dassanowsky engagierte sich aber auch beim Wiederaufbau österreichischer Kultureinrichtungen. 1946 war sie Mitbegründerin der "Belvedere Film Wien". Mit Regisseur Emmerich Hanus brachte die damals 23Jährige Stars wie Nadja Tiller und Oskar Werner zum Film.

Nach ihrer Heirat im Jahr 1955 ließ sich das Multitalent in den USA nieder. Hollywood-Starregisseur Otto Preminger nahm ihr allerdings jede Hoffnung auf eine Karriere als US-Filmproduzentin. "Als Frau und Ausländerin hatte ich keine Chance", erinnerte sich Dassanowsky später in Interviews. Österreich ehrte sie 1998 mit dem Titel Professor sowie der Ehrenmedaille des Österreichischen Filmarchivs. Das amerikanische Women's International Center (WIC) verlieh ihr den "Living Legacy Award" 2000 als erster Österreicherin.

Anna Mitgutsch erhält Solothurner Literaturpreis 2001

Solothurn - Der Solothurner Literaturpreis 2001 geht an die österreichische Schriftstellerin Anna Mitgutsch. Die 1948 in Linz geborene, heute in Linz und Boston lebende Autorin wird für ihr erzählerisches Gesamtwerk ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 Franken (13.027 Euro/179.252 S) dotiert. Er wird am 16. Juli in Solothurn feierlich überreicht.

Die Jury lobt in ihrer Begründung die behutsame Beharrlichkeit und die sprachliche wie kompositorische Souveränität, mit der Anna Mitgutsch in ihren bisher sechs Romanen die Grenzen zwischen privatem Wünschen und gesellschaftlichen Zwängen erkundet. Ihr fulminantes Debüt hat die studierte Sprachwissenschafterin 1985 mit dem Roman "Die Züchtigung" gegeben. Herausgefordert durch eine Frage ihrer Tochter erinnert sich eine Frau an die eigene, von Prügel und Dressur geprägte, einsame Kindheit.

Mutter und Kind stehen ebenfalls im Zentrum von "Ausgrenzung" (1989). Mit aller Kraft versucht Marta, ihrem scheinbar autistischen Kind ein würdiges Leben zu ermöglichen, auch um den Preis gesellschaftlicher Stigmatisierung durch eine verständnislose Umwelt. Die Hauptfiguren in den Büchern von Anna Mitgutsch stehen immer am Schnittpunkt von Geschichte und Gegenwart. In ihnen stehen Gefühle der Zugehörigkeit und der Entfremdung in beständigem Widersteit. Eindrücklich beweist dies der jüngste, vielbeachtete Roman der Preisträgerin "Haus der Kindheit" (2000).

Der vor dem Krieg nach New York emigrierte Jude Max Berman kehrt in dem Buch in die österreichische Heimat zurück, um das 1939 enteignete Domizil seiner Familie zurück zu fordern. Doch die Wiederbegegnung scheitert ebenso am engherzigen Ordnungssinn der Einheimischen, worin das Fremde keinen Platz hat, wie an der Unmöglichkeit, die vergangene Zeit zu überbrücken.
(APA)

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