Salzburger Erzbischof verweigerte Firmung in Grödig

14. Mai 2001, 14:38
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Desinteresse der Firmlinge - Zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft stelle Praxis der Firmung infrage

Salzburg - Der Salzburger Erzbischof Georg Eder hat vergangenen Samstag in Grödig eine Firmung abgesagt. Seine eineinhalb Stunden vor dem geplanten Termin per Brief im Pfarramt abgegebene Begründung, wonach die Jugendlichen "noch nicht reif für die Firmung" wären, legte Eder heute, Montag, in einer Aussendung ausführlicher dar: Die Kirche dürfe niemandem ein Sakrament aufzwingen und beim Vorgespräch am Freitag seien zahlreiche Jugendliche "offensichtlich in jeder Hinsicht desinteressiert" an diesem Sakrament gewesen.

"Ich bin nun seit zwölf Jahren bei Visitationen und Firmungen in den meisten Pfarren unserer Erzdiözese gewesen und dabei unzähligen Menschen begegnet, darunter auch vielen Jugendlichen. Derartiges wie in Grödig am vergangenen Freitag ist mir dabei aber noch nie passiert", schildert der Erzbischof. Und weiter: "Nicht nur, dass die jungen Damen und Herren zu keinerlei inhaltlichem Gespräch zur Firmung bereit waren, gebärdeten sich zahlreiche von ihnen in einer Art und Weise, die deutlich machte, dass dieses Sakrament der Kirche für sie keinerlei Bedeutung habe. Nachdem auch die Eltern der Jugendlichen - wie mir mitgeteilt worden war - bei der Firmvorbereitung jede Mitarbeit verweigert hatten, habe ich mich nach gründlicher Überlegung und Erwägung im Gebet deshalb schweren Herzens entschließen müssen, die Firmung zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht durchzuführen."

Sakramente dürften nicht aufgezwungen werden

Die Kirche dürfe niemandem ein Sakrament aufzwingen, müsse aber "auch darauf sehen, dass die Sakramente würdig, das heißt bei entsprechender Disposition, gespendet werden". Und diese war nach Ansicht Eders in Grödig "bei einem größeren Teil der Jugendlichen nicht gegeben". Vor der Firmung habe der Bischof den verantwortlichen Pfarrer zu fragen: "Können Sie bezeugen, dass die Firmkandidaten auch gebührend unterwiesen und auf dieses Sakrament vorbereitet sind?" Hier hätte die Antwort wahrheitsgemäß lauten müssen: "Nein." Deshalb habe er sich schließlich gezwungen gesehen, die für Samstag geplante Firmung abzusagen, begründete der Erzbischof seine Entscheidung. Jenen Firmkandidaten, denen an diesem Sakrament tatsächlich etwas gelegen sei, habe er angeboten, sie zu einem späteren Zeitpunkt - nach einem persönlichen Gespräch mit ihm - zu firmen.

Eder will nun "die wachsenden Probleme rund um die derzeitige Praxis der Firmung, die sich aus der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft ergeben", zum Anlass nehmen, die zur Zeit übliche Praxis (Alter, Vorbereitung, Mitwirkung der Eltern, Patenamt etc.) zu überdenken. In einer Zeit, in der jedes Glaubenswissen mehr und mehr verdunste, könne die Kirche nicht länger ihre Sakramente ohne intensivere Vorbereitung der wirklich daran Interessierten spenden. "Ansonsten würden Taufe, Hochzeit, Erstkommunion oder auch Firmung endgültig zu reinen Brauchtumsveranstaltungen herabsinken", stellte der Erzbischof fest. (APA)

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