Finanzielle Wiedergutmachung 49 Jahre nach Tod am Galgen

14. Mai 2001, 13:49
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Familie bekommt Schmerzensgeld - schwere Verfahrensmängel im Jahr 1952

London - Die Familie eines Seemanns aus Somalia, der vor 49 Jahren in Großbritannien wegen eines von ihm in Wahrheit nicht begangenen Mordes gehenkt worden war, hat jetzt umgerechnet 31 Millionen Schilling Schmerzensgeld erhalten. Einem Bericht der Zeitung "The Guardian" vom Montag zufolge wird damals erstmals der Familie eines Hingerichteten, dessen Unschuld sich später herausstellt, Geld gezahlt.

Wiederaufnahmeverfahren

Der Seemann Mahmood Mattan (damals 28) war 1952 in Cardiff (Wales) hingerichtet worden, nachdem er für schuldig befunden worden war, eine Pfandleiherin umgebracht zu haben. Seine Witwe Laura (79) hatte vor zehn Jahren ein Wiederaufnahmeverfahren erreicht, das schwere Verfahrensmängel zu Tage brachte und mit klarem Freispruch endete. Unter anderem war Mattan auf Grund der Aussage eines geistesgestörten Zeugen sowie ohne Berücksichtigung eines von vier Zeugen bestätigten Alibis verurteilt worden.

Beschimpfungen der Witwe

Mattans aus Wales stammende Witwe, die nach der Verurteilung als "Negerhure" beschimpft worden war, hatte von der Hinrichtung ihres Mannes nur durch einen an die Zellentür gehefteten Zettel erfahren, als sie diesen im Gefängnis besuchen wollte. Sie meinte: "In biblischen Zeiten hätte man mich wohl gesteinigt." Mervyn Mattan (50), einer der drei Söhne des Paares, wollte die Höhe der Entschädigung nicht bestätigen: "Mit dem Geld kann man seine Seele nicht wieder kaufen. Sie haben das Leben meines Vaters gestohlen. Das Geld ist nichts im Vergleich zu dem, was man meiner Mutter angetan hat." (APA/dpa)

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