"IT-Kriminalität gefährlicher als die Organisierte Kriminalität"

14. Mai 2001, 13:32
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Symposium zum Thema Cybercrime in Wien

Rund drei Millionen Österreicher haben bereits einen Zugang zum Internet. Die Anonymität im "Niemandsland" würde aber auch verstärkt Kriminelle anlocken, erklärte Innenminister Ernst Strasser heute, Montag, anlässlich eines Symposiums zum Thema Cybercrime in Wien. "Wir müssen die Menschen vor dem Missbrauch des Internet schützen", nannte Strasser das Ziel der Veranstaltung des Innenministeriums.

"Cyberpolizisten"

Bereits seit fast drei Jahren gibt es bei der Exekutive eine eigene Gruppe der "Cyberpolizisten". Die Spezialisten sind Teil der internationalen "Cyber Crime Unit". Via Interpol arbeiten sie mit Experten der internationalen Polizeibehörden zusammen. Laut Strasser ist es besonders wichtig, auch eine rasche und effiziente Zusammenarbeit mit der Justiz herzustellen.

Bernhard Otupal von der Abteilung Informationstechnologie und Beweissicherung des Innenministeriums wies auf die großen Gefahren durch die Kriminalität im IT-Bereich hin. Theoretisch könnten Hacker in das Netz einer Krankenhausapotheke eindringen und Dosierungen von Medikamenten ändern. Die Folge: Ein Mord, bei dem der Täter kaum auszuforschen wäre.

Fehlendes Problembewusstsein

Ein großes Problem in Österreich sei das fehlende Problembewusstsein von Providern und Nutzern, so Otupal. Oft würde kein Daten-Backup gemacht, über eine Firewall oder Datenverschlüsselungssysteme würde kaum nachgedacht. Der raschen Entwicklung im IT-Bereich müsse auch durch geeignete Rechtsanpassung begegnet werden. Der Experte: "Ein Internetjahr entspricht sieben Menschenjahren". Das Rechtssystem würde noch hinterher hinken. So könne etwa ein Hacker, der keinen Schaden anrichtet, auch nicht verurteilt werden.

Nur zwei aragrafen im Strafgesetzbuch

Staatsanwältin Risa Schuhmeister-Schmatral kritisierte, dass nur zwei Paragrafen im Strafgesetzbuch auf IT-Kriminalität anwendbar seien. Zudem sei es derzeit kaum möglich, den angerichteten Schaden - etwa durch das Versenden eines Virus - zu berechnen. Je nach Delikt wäre bei maximal zehn Jahren Haft Schluss. Oft entspräche das Strafausmaß dem des Diebstahls einer Wurstsemmel.

"IT-Kriminalität gefährlicher als die Organisierte Kriminalität"

"Ohne gemeinsame Schulung von Exekutive und Justiz haben wir keine Chance gegen die Internetkriminalität", führte die Expertin aus. Für sie ist "IT-Kriminalität gefährlicher als die Organisierte Kriminalität", da die Täter anonym arbeiten können. In Zukunft könnte sich die Staatsanwältin durchaus vorstellen, dass eigene Senate oder Gerichtshöfe im Kampf gegen IT-Kriminalität geschaffen würden.

Gesetzesänderungen für Kampf gegen Kinderpornographie

Zur Bekämpfung der Kinderpornographie im Internet wären Gesetzesänderungen notwendig, forderte Rudolf Gross von der Abteilung Gewalt und Sexualdelikte im Innenministerium. Die Zulassung des "Agent Provocateur" und die Möglichkeit, dass Provider die Log-Files der User mindestens sechs Monate speichern dürfen, könnte die Arbeit der Meldestelle für Kinderpornographie erleichtern.

Seit März 1997 ist diese Meldestelle "online". Im vergangenen Jahr waren bereits rund 1.700 Hinweise eingelangt, etwa ein Viertel davon war verwertbar. Laut Gross gibt es in Österreich kaum Produzenten. Hergestellt würden die Pornos meist in Russland oder dem asiatischen Raum, zu 95 Prozent würden sie auf amerikanischen Servern abgelegt.

Sicherheitstipps für Kreditkartenbesitzer

Themenwechsel: Etwa 810.000 Kreditkartenbesitzer gibt es in Österreich. Weltweit ist rund eine Milliarde Karten in Gebrauch. Für Erwin Petsch, Sicherheitsexperte von Visa-Österreich, ist das Vertrauen der Kunden wichtig. Bei Bestellungen im Internet ist fast immer nur die Zahlung via Kreditkarte möglich. Petsch gab Tipps, wie man sich vor Missbrauch schützen könne.

Grundsätzlich sollte nie bei unbekannten Händlern bestellt werden, so Petsch. Viele Unternehmen hätten bereits eine so genannte SSL-Verschlüsselung - erkennbar an einem Symbol im Browser - um den Datenklau unmöglich zu machen. Im Zweifelsfall sollten Kunden nicht via Netz bestellen, sondern die Bestellung faxen. Ein Ausdruck des Bestellformulares sollte auf jeden Fall aufgehoben werden. (APA)

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