Gewalt in der Familie: Jede Fünfte lebt damit

14. Mai 2001, 21:15
posten

SPÖ fordert Ausbau von Gewaltprävention

Wien - Eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung, um die Gewalt in den Familien eindämmen zu können, will Sozialminister Herbert Haupt (F). Er kritisierte, dass die Bereitschaft wegzusehen immer noch zu hoch sei. Die Aufmerksamkeit werde immer nur dann größer, wenn ein besonders schrecklicher Fall in den Medien ausführlich berichtet werde.

Endgültige Zahlen über die Gewalttaten in den Familien liegen noch nicht vor. Haupt erklärte jedoch, dass etwa jede Fünfte in einer Beziehung lebe, in der Frauen oder Kinder von Gewalt betroffen seien. Die Zahl der gerichtsanhängigen Delikte dürfte seit 1998 um fast 20 Prozent angestiegen sein. Die Dunkelziffer der Misshandlungen dürfte die statistischen Zahlen sogar noch übertreffen.

Prävention zeigt Wirkung

Dennoch glaubt der Minister, dass die Anfang der neunziger Jahre eingeleiteten Präventionsmaßnahmen einige Wirkung gezeigt haben. Es gebe in der Bevölkerung nunmehr eine höhere Bereitschaft, Gewalttaten zur Anzeige zu bringen: "Die Spitze des Eisbergs taucht jetzt mehr aus dem Meer auf".

Dass die Gewalt in erster Linie von Männern ausgeübt werde, sei unbestritten, erklärte Haupt. Deshalb sei es angesagt, neben Frauen und Kindern auch Männern Unterstützung nicht zu versagen, dies z.B. in Form von psychotherapeutischer Betreuung.

SP-Parnigoni fordert klare Vorgaben

Kritik an den Aussagen von Familienminister Herbert Haupt äußerte SPÖ-Sicherheitssprecher Rudolf Parnigoni: "Haupts vorgeschlagene Maßnahmen hinsichtlich der rasant angestiegenen Gewaltdelikte in der Familie gegen Frauen und vor allem gegen Kinder greifen viel zu kurz." Natürlich müsse diesbezüglich eine weitere Sensibilisierung der Bevölkerung erfolgen, doch bedürfe es parallel dazu auch wirksamerer behördlicher Maßnahmen.

Insbesondere bei misshandelten Kinder müsse verstärkt nach dem Gewaltschutzgesetz vorgegangen werden. Vor allem müsse der Täter die Konsequenzen seiner Gewalttätigkeit tragen, so Parnigoni in einer Aussendung. In der Praxis würde nämlich allzu oft die Opfer, vor allem Kinder, von der Jugendwohlfahrtsbehörde aus der Wohnung weggeholt, während der Gewalttäter bleiben könne.

Auch SP-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl verlangte Maßnahmen zum Ausbau der Gewaltprävention. Die Ankündigung Haupts, Frauenhäusern und Kinderschutzzentren mehr Unterstützung zukommen zu lassen, begrüßte Kuntzl.
(APA)

Share if you care.