Prostitution und Ehebruch dürfen niemals sittlich sein

14. Mai 2001, 21:28
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Bischof Krenn beklagt Doppelmoral und Verantwortungslosigkeit

Berlin/Wien - Empört zeigte sich St. Pöltens Bischof Kurt Krenn über die Haltung Deutschlands in Sachen Prostitution. Den betroffenen Frauen sollen künftig mehr Rechte und eine bessere soziale Absicherung eingeräumt werden. "Deutschland ist das Land des Grundgesetzes, und das hat mir immer sehr gefallen. Es ging immer um die Verantwortung vor Gott. Aber wo ist das jetzt?", fragte Krenn in der TV-Diskussionsrunde "Sabine Christiansen" (ARD). Gott sei der, der das Gebot gegeben habe, "Du sollst nicht Ehe brechen". "Ehebruch ist verboten von Gott", so der Diözesanbischof.

Doppelmoral am Pranger

Krenn bezeichnete sich selbst als "nicht konservativ", prangerte im selben Atemzug aber die Doppelmoral an. Diese sei "heute längst salonfähig. Selbst Politik besteht aus Doppelmoral. In Österreich werden Kinder abgetrieben ohne die kleinen Bremsen, die es in Deutschland gibt. Das ist Doppelmoral". Wenn der Gesetzgeber jetzt sage, Prostitution sei nicht sittenwidrig, sei das auch Doppelmoral. "Ein Mensch - wie er auch zu Stande kommt - hat Rechte. Er ist ein Mensch mit unsterblicher Seele und Würde und Freiheit", sagte Krenn.

Befürchtung: Österreich wird nachziehen

"Mein Land ist klein, und ihr Land ist das größte innerhalb der EU", erklärte der Bischof in Richtung seiner deutschen Mitdiskutanten, u.a. der Kulturkritiker Hellmuth Karasek, die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir vom Bündnis 90/Die Grünen und die CSU-Politikerin Maria Eichhorn. Ihn schaudere es, "wenn Deutschland in diesem Bereich Vorreiter ist", so Krenn. Ihn schaudere es auch, "wenn wir Ihre Gewerbeordnung eines Tages in Österreich übernehmen müssen".

"Der Ehebruch wird niemals gut sein"

Wer die Prostitution wolle, lasse die Familie fallen. "Die Menschen erwarten von der Kirche etwas, was den Anspruch der Gotteswürdigkeit hat. Gut und Böse zu beurteilen, ist nicht Sache des Gesetzgebers", sagte der Bischof. Das eigentliche Ärgernis sieht er darin, "dass jemand in Deutschland sagt, Prostitution sei nicht sittenwidrig".

Was man wirklich tun könne, sei "die Menschen erziehen. Man muss ihnen ein Gewissen geben. Man kann es nicht anders. Soll man die 'Freier' denn einsperren? Man sollte für die Frauen zu einem neuen Konsens kommen. Aber der Ehebruch wird niemals gut sein". Prostituierte sind für Bischof Krenn im Grunde "arme Menschen, arme Seelen". Man müsse schauen, "wie man ihnen helfen kann".
(APA)

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