Atommülltransporte aus Deutschland stehen bevor

14. Mai 2001, 16:46
posten

Aus den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Stade in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague

Hamburg - Neue Atommülltransporte aus den deutschen Kernkraftwerken Brunsbüttel und Stade in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague stehen offenbar kurz bevor. Umweltschutzorganisationen rechnen damit, dass die Transporte am frühen Dienstagmorgen starten. Der Transport aus dem schleswig-holsteinischen Brunsbüttel soll durch Hamburg rollen, um südlich der Hansestadt in Maschen mit dem Castor aus Stade zusammengekoppelt zu werden. Nach Angaben des Bundesgrenzschutzes (BGS) war es am Montagmorgen noch weitgehend ruhig an der Bahnstrecke.

Die Regenbogen-Fraktion, eine Abspaltung der Grünen in der Hamburger Bürgerschaft, hat für Montag und Dienstag Demonstrationen gegen die Transporte angemeldet. Nach Angaben eines BGS-Sprechers war in der Nacht zum Sonntag lediglich an einer Brücke ein gelbes Holzkreuz, Symbol für die Atomgegner, angebracht worden. Wie viele Beamte für den Schutz des Transports abgestellt wurden, wollte er nicht sagen. Bereits am Freitag hatte Greenpeace auf den Gleisen vor dem Atomkraftwerk Stade Apfelbäume gepflanzt. Polizei bestätigt Transporte

Nach Angaben eines Polizeisprechers sollen drei Behälter mit jeweils 17 abgebrannten Brennstäben aus den beiden norddeutschen Atomkraftwerken Stade und Brunsbüttel spätestens am Dienstag zur Wiederaufarbeitungsanlage La Hague rollen. Zum genauen Transportzeitpunkt würden keine Angaben gemacht. In Polizeikreisen hieß es, die Spezialwaggons sollten am Montagabend mit einem Behälter aus Stade und zwei aus Brunsbüttel zum Rangierbahnhof Maschen südlich von Hamburg gebracht und dort zusammengekoppelt werden. Atomkraftgegner haben für den Montagnachmittag Proteste angekündigt.

Bundesgrenzschutz (BGS) und Polizei seien auf Protestaktionen vorbreitet, sagte ein BGS-Sprecher in Hamburg. "Wir gehen davon aus, dass sich die Demonstranten besonnen verhalten." Zur Einsatzstärke der Sicherheitskräfte wollte er keine Angaben machen. Nach Angaben der linksalternativen Regenbogen-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft werden mehrere hundert Atomkraftgegner zu den Protesten erwartet, unter anderem am Bahnhof in Harburg, den die Züge aus Stade und Brunsbüttel passieren müssen.

Die drei Behälter vom Typ TN 17/2, die ausschließlich für den Transport von Brennstäben vorgesehen sind, stehen seit mehreren Tagen beladen an den Kraftwerksstandorten in Stade und Brunsbüttel. Aus Stade werden in diesem Jahr noch mindestens ein halbes Dutzend Transporte zur Wiederaufarbeitung erwartet. Die Lagerkapazitäten auf dem Gelände für abgebrannte Brennstäbe seien weitgehend erschöpft, sagte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft E.ON. Der Reaktor in Stade soll 2003 nach dem Atomkonsens als erstes Atomkraftwerk stillgelegt werden. (APA)

Share if you care.