Das legendäre "Wunderteam" feiert 70. Geburtstag

14. Mai 2001, 11:49
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Es war "die beste Mannschaft, die jemals gegen England gespielt hat"

Wien - 16. Mai 1931, Hohe Warte in Wien. Österreichs Fußball-Nationalauswahl schoss Schottland mit 5:0 vom Rasen. Zweimal Zischek, je einmal Sindelar, Schall und Vogl hießen die von 40.000 begeisterten Zuschauern umjubelten Torschützen. Eine Elf war geboren, die unter dem Namen "Wunderteam" auch international berühmt und zur Legende wurde. Doch leider, leider blieb es die wundervolle Ausnahme, auch wenn später noch andere ÖFB-Mannschaften immer wieder Großes zustande brachten. Am Mittwoch wird der 70. Geburtstag des Wunderteams gefeiert.

Innerhalb von nicht einmal zwei Jahren trat die Mannschaft zu insgesamt 15 Länderkämpfen an, gewann davon zwölf, spielte zweimal auswärts remis (Budapest 2:2, Prag 1:1) und verlor nur ein einziges Mal, am 7. Dezember 1932 äußerst ehrenvoll und unglücklich mit dem 3:4 an der Londoner Stamford Bridge gegen England.

"Die beste Mannschaft, die jemals gegen England gespielt hat", schwärmte damals selbst der Verbandskapitän der Sieger. Bei der Begrüßung vor dem Match war es zu einer denkwürdigen Konversation zwischen dem Herzog von York und Karl Sesta gekommen. "Sie haben einen wunderschönen Beruf", meinte der Herzog, woraufhin der Austrianer, ein gelernter Huf- und Wagenschmied, erwidert haben soll: "Sie hab'n a ka schlechte Hackn..."

Mannschaften wie Deutschland (6:0 Berlin, 5:0 Wien), Erzfeind Ungarn (8:2), die Schweiz ( 8:1), Belgien (6:1) und Frankreich (4:0) wurden wie die Schotten geradezu vernichtend geschlagen, und auch Italien (2:1) zählte zu den Opfern. Aus Stockholm kehrten die Österreicher mit einem 4:3-Sieg gegen Schweden nach Hause zurück. Mit dem 4:0 am 12. Februar 1933 in Paris gegen Frankreich ging die glorreiche Zeit des Wunderteams zu Ende, die in ihrer Ära ein Torverhältnis von 62:18 schaffte. Das Wiener 1:2 gegen die Tschechoslowakei am 9. April 1933 war schon der Beginn einer neuen, immer noch guten, aber eben nicht mehr "wunderbaren" Fußball-Epoche.

Ist's Dichtung oder Wahrheit, oder etwas Gemischtes? Egal. Die Entstehung der Super-Mannschaft wird wie folgt erzählt. Im Wiener Ring-Cafe, wo sich der damalige Teamchef Hugo Meisl besonders gerne aufhielt, schmiss er nach einer lebhaften Diskussion einigen Sportjournalisten einen Zettel mit der Mannschaftsaufstellung für das Schottland-Spiel mit den Worten hin: "So, da habt's euer Schmieranski-Team". Drauf standen die Namen: Hiden - Schramseis, Blum - Braun, Smistik, Gall - Zischek, Gschweidl, Sindelar, Schall und Vogl. Das Gemälde mit diesen elf und fünf weiteren Ausnahmekickern (Hofmann, Mock, Rainer, Sesta, Nausch) sowie von Hugo Meisl hängt im Historischen Museum der Stadt Wien. (APA)

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Matthias Sindelar, der "Papierene Tänzer"

GRÖSSTE ERFOLGE

6:0 gegen Deutschland
(Berlin, Mai 1931)

5:0 gegen Deutschland
(Wien, September 1931)

8:1 gegen die Schweiz
(Basel, November 1931)

8:2 gegen Ungarn
(Wien, April 1932)

4:3 gegen Schweden
(Stockholm, Juli 1932)

6:1 gegen Belgien
(Brüssel, Dezember 1932)

4:0 gegen Frankreich
(Paris, Februar 1933)

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