Hagelabwehr funktioniert

16. Mai 2001, 12:05
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Merkbarer Rückgang der Schäden in den vergangenen zehn Jahren

Wien - Seit nunmehr 20 Jahren gehen Wissenschafter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte in Wien der kniffligen Frage nach, ob und inwieweit die Hagelabwehr funktioniert. Nun liegen vorläufige Ergebnisse vor und diese sind durchaus positiv. So brachte alleine die technische Verbesserung der Abwehr eine merkbare Reduktion der Hagelereignisse, berichtete ZAMG-Hagelexperte und Projektleiter Otto Svabik.

Hagelbekämpfung wird in besonders gefährdeten Gebieten seit Jahrzehnten praktiziert, die Idee dazu klingt einleuchtend: Hagelkörner benötigen für ihre Entstehung so genannte Kondensationskeime, natürlicherweise etwa Staubkörnchen. Durch das Beimpfen mit einer großen Zahl künstlicher Keime - Silberjodidkristalle - will man erreichen, dass mehr, aber dafür kleinere Hagelschlossen entstehen.

Hagelkörner unter einer bestimmten Größe schmelzen auf ihrem Weg zum Erdboden und fallen als ganz normaler Regen. Ausgebracht wird das Silberjodid mittels Flugzeugen, welche die Chemikalie genau in den Aufwind der Gewitterwolke einblasen.

Der Nachweis für das Funktionieren der Hagelabwehr ist eine schwierige Sache. Setzt man sie ein, lässt sich nicht feststellen, was ohne Abwehr passiert wäre und umgekehrt. Die Experten von der Hohen Warte setzen daher auf die Beobachtung von langen Zeiträumen. Im speziellen Fall nahmen Svabik und seine Mitarbeiter die Zeiträume 1981 bis 1990 sowie 1991 bis 2000 unter die Lupe.

Seit 20 Jahren sammeln die Forscher unter anderem im Gebiet Langenlois - Krems mittels eines Bodenmessnetzes die nötigen Daten. Die Erfassung erfolgt nicht - wie ansonsten in der Meteorologie üblich - mit den neuesten High-tech-Geräten, sondern schlicht mit lackierten Styroporplatten, die in Abständen von zwei Kilometern etwa in Weingärten montiert sind. Gibt es einen Hagelschlag, sendet der Bauer die Platte an die Hohe Warte zur Auswertung nach Wien und bringt eine neue an.

"Anhand der Einschläge in den Platten können wir nicht nur die Zahl der Hagelschlossen auf einem bestimmten Areal, sondern auch die Größenverteilung der Körner feststellen," so Svabik. Im untersuchten Gebiet wurde über den ganzen Zeitraum Hagelabwehr betrieben, allerdings hat sich in den vergangenen Jahren die Technik deutlich verbessert. Etwa durch Wetterradarbilder kann die Hagelabwehr wesentlich effektiver angegangen werden.

Tatsächlich stellten die Meteorologen deutliche Unterschiede im Hagelaufkommen fest. Gab es in den Achtzigern durchschnittlich 4,6 Hageltage pro Saison, so waren es in den Neunzigern 3,8 - ein Minus von 17 Prozent - berichtete Svabik. Von 1981 bis 1990 waren von den insgesamt 124 Hagelstationen durchschnittlich 4,8 pro Hagelschlag betroffen, zwischen 1991 bis 2000 waren es 2,6 pro Hagelschlag. Auch bei den errechneten Energiewerten gab es Unterschiede, so sank die durchschnittlich aufgetroffene Energie durch Hagel von 72 auf 44 Joule pro Quadratmeter.

Damit lässt sich aussagen, dass die verbesserte Technik offenbar auch die Effizienz der Hagelabwehr verbessert hat. Was jetzt noch aussteht, ist der Vergleich mit Jahren ohne Hagelabwehr und mit vergleichbaren Kontrollgebieten. Dazu arbeiten die Meteorologen mit der Österreichischen Hagelversicherung zusammen, die Ergebnisse werden bis Ende des Jahres erwartet. (APA)

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