Tschechien befürchtet neue Forderungen Österreichs

14. Mai 2001, 10:58
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"Wer denkt, dass Wien aufhört, Forderungen zu stellen, ist naiv"

Prag - Vertreter des Tschechischen Energiekonzerns (CEZ) und der tschechischen Behörde für atomare Sicherheit (SUJB) bezeichneten die Ergebnisse des Treffens von Umweltminister Wilhelm Molterer (V) mit dem tschechischen Außenminister Jan Kavan vom vergangenen Samstag als eine "riesige Geste des guten Willens" von Seiten Prags.

Der Direktor des AKW Temelin, Frantisek Hezoucky, sagte Sonntag Abend gegenüber dem Tschechischen Rundfunk, er verstehe die versprochene Lieferung von zusätzlichen Informationen zu dem AKW über den Rahmen der Melker Vereinbarungen als entgegenkommende Geste. Er fürchte, dass Österreich weiter mit neuen Forderungen kommen werde. "Ich denke, dass es sich um einen riesigen Beweis des guten Willens der tschechischen Seite handelt, in keinen Konflikt zu gehen und immer wieder neuen Forderungen zu entsprechen. Ich würde sehr gerne glauben, dass dies die letzten Forderungen der österreichischen Seiten sind, aber ich bin nicht sicher", meinte Hezoucky.

SUJB-Chefin Dana Drabova meinte, es sei eine Folge der Ungeschicklichkeit der Kommission für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) Temelins, dass die tschechische Seite nun neuen österreichischen Forderungen entsprechen müsse. Es sei ein Fehler gewesen, dass die Kommission überhaupt die Möglichkeit der Stilllegung Temelins angesprochen habe. "In dem Moment, als sie das zugegeben haben, mussten sie wissen, dass die Österreicher sie nicht mehr aus der Zange lassen... Wer denkt, dass Österreich irgendwann aufhört, neue Forderungen zu stellen, ist naiv. Es ist nur die Frage, was die Tschechische Republik noch alles als annehmbar aus der Sicht der guten Nachbarschaftsbeziehungen anerkennen wird", meinte Drabova.

Das Mitglied der UVP-Kommission und der Berater des Industrie- und Handelsministers Miroslav Gregr, Jiri Hanzlicek, lehnte es ab, von Fehlern der Kommission zu sprechen. "Die Frage der Varianten muss in dem Dokument verankert sein. Die Schwierigkeit liegt nur darin, dass die Null-Variante ein Begriff für neu begonnene Bauten ist. Sie gilt selbstverständlich nicht mehr für einen vollendeten Bau ... Die hypothetische Null-Variante ist nur mit zwei Sätzen insoweit erwähnt, dass sie nicht in der Regierung erörtert wurde, und dass das Kabinett die Fertigstellung des Kraftwerkes beschlossen hat. Weiter haben wir uns damit nicht befasst", meinte Hanzlicek. (APA)

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