Kandidatenländer wollen möglichst bald Euro-Länder werden

14. Mai 2001, 10:40
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Nach EU-Beitritt noch einige Jahre nötig um die strengen Voraussetzungen zu erfüllen

Brüssel - Die osteuropäischen Kandidatenländer wollen nach dem EU-Beitritt möglichst rasch den Euro als Währung einführen. Sobald sie alle Maastricht-Kriterien erfüllen, haben sie nicht nur das Recht, sondern quasi einen "Automatismus", der sie in die Währungsunion führt. All zu rasch dürfte die Kluft bei den Wirtschaftsdaten aber nicht zu überwinden sein.

Denn zumindest müssen die Länder zwei Jahre lang Teil des Europäischen Wechselkursmechanismus gewesen sein und ihren Wechselkurs stabil gehalten haben. Außerdem müssen sie ihre Defizite unter drei Prozent senken und die Inflationsraten bis auf 1,5 Prozentpunkte an die preisstabilsten drei Euroländer angleichen. Alles Vorgaben aus dem Vertrag von Maastricht, die nicht leicht zu erfüllen sind. Wenig Probleme zeichnen sich hingegen bei der Verschuldung ab - diese liegt im Schnitt deutlich unter den zulässigen 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Frühestens 2008

Dennoch kündigte Sloweniens Finanzminister Anton Rob beim Finanzministertreffen in Malmö vor wenigen Wochen an, sein Land werde schon 2008 ein Euroland sein. Darauf angesprochen, sagte Österreichs Nationalbankchef Klaus Liebscher: "Das ist einer der kürzestmöglichen Zeitpunkte". Der Präsident der ungarischen Zentralbank, Zsigmond Jarai, sagte im Februar bei seiner Ernennung, er rechne damit, dass sein Land bereits 2006/2007 in die Währungsunion aufgenommen werde.

Die internationale Ratingagentur Moodys schätzt, dass die ersten Kandidatenländer, Slowenien, Ungarn, Tschechien und Polen 2004 oder 2005 der EU beitreten könnten. Die Teilnahme an der Währungsunion könne anschließend "zügig" erfolgen, so Managing Director David Levey. Bereits jetzt würden einige osteuropäische Staaten besser in die Euro-Zone passen als das EU-Land Großbritannien, das vorläufig allerdings auf die Einführung des Euro verzichtet.

Unterdessen ist der Euro bereits eine Ankerwährung für die Länder Osteuropas, die damit auch Preisstabilität und niedrige Zinsen in ihre Volkswirtschaften importieren. Viele dieser Länder haben ihre Währung bereits an den Euro direkt oder an einen Korb, in dem die gemeinsame Europa-Währung dominiert, gebunden.

Strukturreformen

Abgesehen von der Erfüllung der in Zahlen messbaren Maastricht-Kriterien müssen die Osteuropäer aber auch noch Strukturreformen umsetzen, bevor sie für die Einführung der gemeinsamen Währung reif sind. Dazu gehört vor allem ein funktionierender Bankensektor, Börsen und Finanzdienstleistungen. Auch diese Veränderungen sind nicht von heute auf morgen möglich. (APA)

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