Feuer frei für Rammstein

14. Mai 2001, 10:10
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Tournee-Start in Nürnberg - Am 22. Mai in Wien

Nürnberg - Blitze, Stichflammen und Aschenregen, ein brennender Mensch und Lieder von toten Kindern - zum Tourneeauftakt haben Rammstein fast alles bemüht, was Aufsehen erregt, schockiert oder abstößt. Rammstein sind mit ihrer Musik, einer Mischung aus Heavy Metal, Techno und Pop, derzeit eine der erfolgreichsten deutschen Bands der Welt. Am Sonntagabend gaben sie in Nürnberg ihr erstes von insgesamt 13 Deutschlandkonzerten anlässlich ihres neuen Albums "Mutter" (Motor) und pünktlich zum Muttertag.

Um 21.20 Uhr fiel der riesige schwarze Schleier vor der Bühne. Von der Hallendecke wurde - dramatisch untermalt von Keyboarder Flake Lorenz - eine überdimensionale Fruchtblase gelassen, aus der ein Bandmitglied nach dem anderen schlüpfte, sich einer kurzen Dampfdusche unterzog, dann den Platz hinter seinem Instrument einnahm und zu spielen begann. Sänger Till Lindemann tauchte erst nach dem instrumentalen Intro auf. "Ich bin die Stimme aus dem Kissen", rief er, sprang unter einer Decke hervor und eröffnete das Konzert mit dem Song "Mein Herz brennt".

In den kommenden 90 Minuten brannte nicht nur das Herz, das sich Lindemann auf die Brust geklebt hatte. Immer wieder loderten Flammen aus den Instrumenten, zuckten Blitze über die Bühne und durch die Halle, und beim Song "Rammstein" zum Ende des Konzertes zündete sich Lindemann sogar selbst an - allerdings in feuerfeste Kleidung gehüllt.

Feuer und Licht sind beeindruckend in der neuen Rammstein-Show. Die Band ist trotz kleinerer musikalischer Holperer ordentlich eingespielt - so weit sich das bei der enormen Lautstärke beurteilen lässt. Nur die in den Studioaufnahmen so dominierende Stimme von Lindemann geriet in Nürnberg manchmal etwas zu sehr in den Hintergrund.

Wegen ihres martialischen Auftretens werden Rammstein oft Sympathien für die rechtsextreme Szene vorgeworfen. Die Band selbst hat nie versucht, diese Vorwürfe ernsthaft zu entkräften - wohl wissend, dass ein großer Teil ihrer Anziehungskraft im Anrüchig-Verbotenen liegt. Auf der Bühne dirigiert Sänger Lindemann das Publikum ausgiebig und mit großen Gesten. Der Massengehorsam gefällt ihm, das sieht man ihm an.

Trotzdem kein Scherz, kein Lächeln. Nur einmal wendet sich Lindemann an das Publikum. "Danke", sagt er, bevor sich die Band von der Bühne begibt, um sich dann für die Zugaben wieder zurückklatschen zu lassen. Rammstein betonen immer wieder, sie hätten Humor, doch davon war bei dem Auftritt in Nürnberg nichts zu sehen.

Die Fans im Publikum tragen Rammstein-T-Shirts, auf denen "Bück Dich" und "Ich will" steht. Den Song "Bück Dich" haben Sänger Lindemann und Keyboarder Lorenz früher gerne mit einem Plastikdildo auf der Bühne nachgespielt, was ihnen in den USA sogar einmal ein Verhaftung und eine Bewährungsstrafe einbrachte. In Nürnberg blieb das Sexspielzeug im Koffer.

Am 22. Mai kommen Rammstein in die Wiener Stadthalle. (APA/AP)

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    foto: rammstein
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