UNO-Konferenz diskutiert Strategien für die ärmsten Länder der Welt

14. Mai 2001, 14:51
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Schuldenerlass und bessere Zugangs- möglichkeiten zum Weltmarkt sind zentrale Themen

Brüssel - Die dritte Konferenz der Vereinten Nationen zur Hilfe für die "am wenigsten entwickelten Länder" (LDC) ist am Montag in Brüssel eröffnet worden. UNO-Generalsekretär Kofi Annan rief die Weltgemeinschaft zum entschiedenen Kampf gegen die zunehmende Armut auf. "Die Liste der am wenigsten entwickelten Länder ist in den vergangenen dreißig Jahren nicht kürzer, sondern länger geworden", sagte er zu Beginn der einwöchigen Tagung.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac rief zu mehr Solidarität auf. Die internationale Gemeinschaft habe kein Recht, rund 600 Millionen Menschen einfach abzuschreiben. "Wenn die internationale Gemeinschaft ihnen die Hände in Freundschaft reicht, werden die ärmsten Länder zu Regionen mit wirtschaftlichem und sozialem Wachstum werden", meinte Chirac.

Prodi: "Kluft zwischen Arm und Reich hat sich vergrößert"

"Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich dramatisch vergrößert", sagte der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi. Er verwies auf die jüngst in Brüssel vorgelegten Pläne, die zu einer Trendwende beitragen sollen. Dazu gehört unter anderem der freie Zugang ohne Zölle und Quoten für Produkte aus den ärmsten Ländern zum EU-Markt. Annan und die Sprecherin der LDC-Gruppe, die Regierungschefin von Bangladesch, Hasina Wajed, begrüßten die Pläne der Europäischen Union.

Die Mehrzahl der ärmsten Länder liegt in Afrika. Nach UNO-Angaben muss mehr als die Hälfte der Menschen in diesen Staaten mit weniger als einem US-Dollar pro Tag ihr Leben fristen. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 51 Jahren. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Anzahl dieser Länder, deren Bevölkerung zu 50 Prozent nicht schreiben und lesen kann und wo sauberes Trinkwasser nicht die Regel ist, von 25 auf 49 fast verdoppelt.

Schuldenerlass, Krankheitsbekämpfung und verbesserte Zugangsmöglichkeiten zum Weltmarkt

Die Teilnehmer der UNO-Konferenz werden Hilfsprogramme zu weit reichendem Schuldenerlass, zur Bekämpfung von Krankheiten wie Aids oder Malaria sowie vor allem einen besserer Zugang zu den Weltmärkten für die LDC-Staten diskutieren.

1997 beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen, die 3. UNO-Konferenz über die am wenigsten entwickelten Länder einzuberufen, um in diesen Staaten eine Trendwende herbeizuführen und dem dortigen Wirtschaftswachstum neuen Schwung zu verleihen. Neben der Absicht, den ärmsten Ländern die Weltmärkte für ihre Exportgüter zu öffnen, soll jenen dieser Länder alle bilateralen Schulden erlassen werden, die nachweislich Anstrengungen zur Armutsreduzierung unternehmen. (APA/AP/dpa)

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