Schwere Zwischenfälle in den Autonomiegebieten

14. Mai 2001, 15:09
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Israelische Soldaten erschießen fünf palästinensische Polizisten - Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates gefordert

Jerusalem/Ramallah - Beim bisher schlimmsten Zwischenfall in diesem Jahr haben israelische Soldaten in der Nacht auf Montag im Westjordanland fünf palästinensische Polizisten erschossen. Nach palästinensischen Angaben hielten sich die Polizisten an einem Kontrollpunkt nahe Beitunia im Bereich der Stadt Ramallah auf, als israelische Militärangehörige vom Dach eines Gebäudes das Feuer eröffneten. Die Polizisten seien vorwiegend im Kopf- und Oberkörperbereich getroffen worden.

Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, es seien während einer nächtlichen Operation mehrere "verdächtige Personen" ausgemacht worden; daraufhin habe man das Feuer auf sie eröffnet. Im Gebiet von Beitunia kam es später zu heftigen Feuergefechten, bei denen die israelische Armee Artillerie einsetzte. In Ramallah war eine laute Explosion zu hören.

Wiederaufnahme von Verhandlungen fraglich

Stunden zuvor hatte die israelische Armee bei den bisher massivsten Angriffen dieses Jahres zahlreiche palästinensische Ziele im Gaza-Streifen attackiert. Allein in der Stadt Gaza wurden zehn Menschen verletzt und Dutzende von Wohnhäusern beschädigt oder zerstört. Der Angriff war nach Angaben des israelischen Militärs ein "Vergeltungsschlag für die fortgesetzte Gewaltanwendung der Palästinenser".

Die palästinensische Führung hat unterdessen die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Israel von einem totalen Baustopp für jüdische Siedlungen in den besetzten Gebieten abhängig gemacht. Der palästinensische Minister für Planung und internationale Zusammenarbeit, Nabil Shaath, bezeichnete den Bau der Siedlungen als "Verbrechen".

Arafat: Palästinensische Polizisten von Israel "ermordet"

Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hat Israel vorgeworfen, die in der Nacht auf Montag erschossenen Polizisten "ermordet" zu haben. Es handle sich bei der israelischen Aktion um "Mord", sagte Arafat. Die palästinensische Führung beantragte die Einberufung einer Sondersitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen wegen des bisher schlimmsten Einzelzwischenfalls im Westjordanland in diesem Jahr sowie wegen der nächtlichen israelischen Luftangriffe.

Die Arabische Liga wollte am Montagnachmittag in einer Sondersitzung auf Botschafterebene in Kairo über die jüngste Entwicklung beraten. Der palästinensische Minister für parlamentarische Angelegenheiten, Nabil Amr, hat den Tod von fünf palästinensischen Polizisten als "feiges und schreckliches Verbrechen" verurteilt. (APA/dpa/Reuters)

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