"Die Außenseiter-Welten des Peter Zadek": Erklärung eines Phänomens

14. Mai 2001, 09:27
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Der erste Band der neuen Edition Burgtheater beschäftigt sich mit dem deutschen Regiegroßmeister - Präsentation am Freitag

Wien - Vorbei sind die Zeiten, da der Besucher des Burgtheaters alleine mit sich, seinen Eindrücken und dem Programmheft über das grübeln musste, was auf der Bühne zu sehen war. Mit der im Residenz Verlag erscheinenden neuen "Edition Burgtheater" wird nun Abhilfe geschaffen: Hier soll, so die Herausgeber Klaus Bachler und Klaus Dermutz, "die Arbeit der Künstlerinnen und Künstler des Burgtheaters reflektiert und dokumentiert" und "durch Analysen und Hintergrundberichte ein tieferer Einblick in die Erarbeitung von Stücken und Rollen ermöglicht werden". Am Freitag wird der erste Band präsentiert. Er ist dem deutschen Regisseur Peter Zadek gewidmet, der am 19. Mai seinen 75. Geburtstag feiert.

Im Zentrum des großformatigen und bebilderten Buches steht ein umfangreicher Essay des Journalisten (und studierten Theologen) Klaus Dermutz, in dem er versucht, die Theaterarbeiten des grossen Regisseurs durch seine biographische Prägung als Außenseiter zu erklären. Eine schlüssige, mit viel Material untermauerte, jedoch wenig überraschende These - ist doch der Begriff des Außenseiters einer, ohne den die Kunst - und speziell jene mit aufklärerischem Anspruch - kaum denkbar wäre.

Wesentlich erhellender sind ein Gespräch mit Angela Winkler, Zadeks Lieblingsschauspielerin der letzten Jahre, sowie Probenberichte von Klaus Pohl zu "Hamlet" und "Rosmersholm", aus denen man viel über Zadeks Arbeitsweise erfährt. "Viel sagt er einem nicht", versichert Winkler, "Er sitzt unten und sagt einem nicht, wie man spielen soll. Es ist halt das Schöne, dass man es selbst herausfinden muss." Und: "Er hat sehr stark die Tendenz, uns auch gegeneinander auszuspielen. Viele Schauspieler haben es schwer, wenn sie das erste Mal mit Zadek arbeiten. Er provoziert uns richtig. Es fasziniert ihn, wie wir aus dieser Situation herauskommen." - "Zadek ist kein Führer, er ist ein himmlisch teuflischer Schauspieler-Verführer", schreibt Pohl, der andernorts anmerkt: "Er versteht sich nicht auf's geschickte, wirkungsvolle Arrangieren einer Szene, er interessiert sich überhaupt nicht für Effekte."

Ein Interview mit Zadek, in dem dieser über seine Arbeit an "Rosmersholm" Auskunft gibt, Gedichte seiner Lebensgefährtin Elisabeth Plessen, Würdigungen durch Klaus Bachler ("er ist der intuitivste von allen Regisseuren, die ich kenne") und Luc Bondy ("Wir sind Brüder, feindliche Brüder") sowie ein Inszenierungsverzeichnis ergänzen den Band. "Es heißt immer, Zadek sei kompliziert oder schwierig, das kann ich nicht finden", schreibt Klaus Bachler, "Er weiß nur sehr genau, was er möchte." Der Zuschauer kann es mit diesem Buch nun vielleicht ein bisschen genauer erahnen. Dass er damit das Phänomen Zadek nicht vollkommen entschlüsseln kann, sollte nicht verdrießen: Zadeks Arbeit ist, auch das erfahren wir aus diesem Buch, ohne ständige Rätsel und Widersprüche nicht denkbar. (APA)

Service: Klaus Dermutz: "Die Außenseiter-Welten des Peter Zadek", Edition Burgtheater im Residenz Verlag, 240 Seiten, 399 Schilling, ISBN 3-7017-1243-3,

Präsentation am Freitag, 18. Mai, 16 Uhr, im Grossen Pausenfoyer des Burgtheaters
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    Peter Zadek

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