Abfuhr für Rechte in Südtirol: Alle Mandate an Ulivo

14. Mai 2001, 19:34
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Bündnis mit der Südtiroler Volkspartei

In Südtirol ist das Mitte-rechts-Bündnis im Unterschied zum nationalen Trend klar unterlegen. In keiner anderen Region, auch nicht in den "roten" Regionen Mittelitaliens, gibt es ein ähnlich negatives Ergebnis für Berlusconis "Casa delle libertà". Kein einziger der in Südtirol zu vergebenden sieben Parlamentssitze ging an Mitte-rechts. Der Ulivo beziehungsweise die mit diesem verbündete Sammelbewegung der Südtiroler Volkspartei (SVP) haben sich alle vier Mandate in der Kammer und alle drei im Senat sichern können.

Historischer Wahlpakt

"Unsere Strategie ist voll aufgegangen", sagte Landeshauptmann Luis Durnwalder. Die Strategie bestand in einem "historischen" Wahlpakt: Erstmals in ihrer 50-jährigen Geschichte hatte sich die SVP - die sich bisher und weiterhin als ethnische "Sammelpartei" der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung versteht - entschieden, lokal auch italienische Wähler und Wählerinnen anzusprechen.

"Unsere Botschaft an die Italiener und Italienerinnen ist angekommen", freut sich der für den Senat gewählte SVP-Kandidat Oskar Peterlini. Peterlini hat im Wahlkreis Bozen mit 54,6 Prozent klar gegen die Mitte-rechts-Kandidatin und bisherige Senatorin von Alleanza Nazinale, Adriana Pasqualini, gewonnen (34 Prozent). Für die eigentliche Überraschung sorgte der bisherige Staatssekretär für Minderheitenfragen der vergangenen Mitte-links-Regierung, Gianlaudio Bressa. Bressa, der aus dem nahen Belluno stammt, hat als SVP-Ulivo-Kandidat mit 49 Prozent den Forza-Italia-Klubchef im römischen Parlament, Franco Frattini, um sieben Punkte distanziert. Frattini gilt als sicherer Anwärter auf ein Ministeramt in einer künftigen Regierung Berlusconi, so zum Beispiel Innenminister.

Deutsche und Italiener

Beim offiziellen Fest der SVP in Bozen kündigte Bressa an, sowohl die deutschsprachigen wie die Italiener Südtirols in Rom vertreten zu wollen. "Es habe sich gezeigt", sagte SVP-Obmann Siegfried Brugger, dass die deutsche Bevölkerung bereit sei, einen italienischen Kandidaten zu unterstützen, "wenn er moderate Positionen einnimmt".

Bei aller Genugtuung über den Erfolg der SVP befürchtet Landeshauptmann Luis Durnwalder, dass "der Wind für die Autonomie schärfer" werden könnte. Parteiobmann Siegfried Brugger meinte, die SVP stehe im Parlament nicht rechts der links, sondern für Südtirol. Eine Unterstützung für die Wahl Berlusconis zum Regierungschef schloss die SVP aber weiterhin dezidiert aus. Denkbar seien punktuelle Zustimmungen zu Berlusconi "wenn dieser eine vernünftige Politik" mache. Auch in Südtirol waren die kleinen Parteien relativ chancenlos.

Grüner Erfolg in Brixen

Einen Achtungserfolg erzielten die Grünen im Senatswahlkreis Brixen mit neun Prozent und bei der Verhältniswahl zur Kammer mit 5,5 Prozent. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 5. 2001)

STANDARD- Mitarbeiter Benedikt Sauer aus Bozen
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