Belusconi gewinnt Parlamentswahlen

14. Mai 2001, 02:15
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Dritte Hochrechnungen: 43,7 Prozent für "Casa delle Liberta" - Ulivo holt auf - Spät nachts noch Wartende vor Wahlurnen

Rom - Die Mitte-Rechts-Parteien des bisherigen italienischen Oppositionsführers Silvio Berlusconi liegen nach ersten Hochrechnungen der Wahl zum Senat voran. Nach Angaben des staatlichen italienischen Fernsehens RAI gewannen sie 46 Prozent der Stimmen, das Mitte-Links-Bündnis von Francesco Rutelli lediglich 40 Prozent. 20 Prozent der Stimmen waren bereits ausgezählt. In Rom und Turin waren hingegen die Wahllokale wegen des starken Ansturms bis 0.30 Uhr geöffnet.

Spät nachts noch Wartende vor Wahlurnen

Immer noch warten zahlreiche Menschen darauf, endlich wählen zu können. In Rom gab es Zwischenfälle von verärgerten WählerInnen, die ihren Unmut über die lange Wartezeit kundtaten, indem sie die Wahlurnen umwarfen. Nur mit Hilfe der Polizei konnte verhindert werden, dass es zur Vernichtung der Wahlzettel kam, wie RAI UNO berichtete.

Forza Italia stärkste Einzelpartei

Während es für die Senatskammer bereits eine erste Hochrechnung auf Basis von 20 Prozent der ausgezählten Stimmen gab, hatte das Mailänder Statistik-Institut Abacus in dern Nacht auf Mittwoch für die Abgeordnetenkammer noch keine "echten" Zahlen. Die italienischen Fernsehsender Raiuno und Canale 5, die seit Stunden live berichteten, konnten sich nur auf Exit Polls (Wählerumfragen) stützen.

Ulivo holt im Senat gegenüber Casa delle Liberta auf

Der Abstand im Senat zwischen dem Mitte-Rechts-Bündnis "Casa delle Liberta" von Silvio Berlusconi und dem Mitte-Links-Bündnis "Ulivo" von Francesco Rutelli hat sich nach der dritten Hochrechnung Früh reduziert. Berlusconis Bündnis konnte nur noch mit 43,7 Prozent der Stimmen rechnen (zuvor 46). Rutellis Gruppierung schien hingegen 39,0 Prozent zu erreichen (statt 40).

Wie ein Experte des Mailänder Statistik-Instituts Abacus betonte, sei es auf Grund des relativ geringen Auszählungsstandes noch nicht eindeutig möglich zu sagen, ob Berlusconi tatsächlich die Mandatsmehrheit im Senat erreichen werde, da sich die Lücke schließe. Das Rennen sei noch offen.

Für Verwirrung sorgten zudem widersprüchliche Zahlen des Innenministeriums. Laut ersten Hochrechnungen des Ministeriums könnte im Senat der Ulivo sogar die Wahlen noch gewinnen. Allerdings beruhen die Daten des Innenministeriums auf einem Auszählungsstand von bloß zehn Prozent. Mehrere Politiker der Rechten forderten inzwischen den sofortigen Rücktritt von Innenminister Enzo Bianco, der für die chaotische Durchführung der Wahlen zur Verantwortung zu ziehen sei. Einige Wahllokale hatten wegen der extrem hohen Wahlbeteiligung noch Stunden nach dem offiziellen Wahlschluss um 22.00 Uhr geöffnet.

Veltroni neuer Bürgermeister von Rom

Italiens Parlament wird in einem komplizierten Mischsystem aus Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht zusammengesetzt. Nach ersten Prognosen von Meinungsforschungsinstituten errang Berlusconi von einem Viertel der Sitze im Abgeordnetenhaus, die nach dem Proportionalsystem ausgezählt werden, mehr als 50 Prozent der Stimmen. Die Mitte-Links-Parteien kamen lediglich auf 36 Prozent. Drei Viertel der Sitze in der Kammer werden nach dem Mehrheitssystem vergeben.(red/APA/dpa/Reuters)

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