Israelische Hubschrauberangriffe im Gaza-Streifen

13. Mai 2001, 23:42
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Polizeiposten nahe Arafat-Hauptquartier unter Beschuss

Gaza/Jerusalem - Die israelische Armee hat erneut Raketen auf Polizeistationen in einem Flüchtlingslager im Gaza-Streifen abgefeuert. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwei Gebäude in dem Lager Nuseirat an der Mittelmeerküste zerstört. Gleichzeitig feuerten Hubschrauber auf ein bisher nicht bekanntes Ziel in der Nähe des Hauptquartiers von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon lehnte unterdessen die Empfehlung der Mitchell-Kommission ab, den Bau weiterer jüdischer Siedlungen zu stoppen. Sharon erklärte zugleich aber, dass der Bericht der Kommission "positive Elemente" enthalte. Das gelte unter anderem für die Aufforderung an die Palästinensische Autonomiebehörde, umgehend Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt zu ergreifen. Die Frage des Siedlungsbaus gehöre aber in die Diskussion über den Endstatus der Palästinensergebiete.

Die Kommission unter Vorsitz des ehemaligen US-Senators George Mitchell hatte den Nahost-Konfliktparteien vor mehr als einer Woche ihren Bericht übergeben. Die palästinensische Führung hatte den Text als "sehr positiv" bewertet und von einem ersten internationalen Bemühen gesprochen, "der israelischen Aggression ein Ende zu setzen". In dem Bericht wird Israel scharf wegen seiner Siedlungspolitik kritisiert. Zugleich wird aber auch festgehalten, dass der neuerliche Palästinenser-Aufstand seit Oktober nicht spontan ausgebrochen, sondern von langer Hand geplant gewesen sei.

Israel verurteilt Freilassung von Hamas-Führer Rantisi

Die israelische Armee ist nach palästinensischen Angaben am Sonntag erneut auf autonomes Palästinensergebiet vorgedrungen. Die Soldaten hätten bei Rafah im Gazastreifen zwei palästinensische Häuser zerstört, teilten palästinensische Sicherheitsvertreter mit. Die israelische Armee sei mit zwei Panzern und drei Bulldozern etwa 150 Meter weit auf Palästinensergebiet vorgerückt. Nach einer Stunde habe sie sich wieder zurückgezogen.

Dem Vorfall sei ein Schusswechsel zwischen bewaffneten Palästinensern und israelischen Soldaten vorausgegangen, hieß es. Es war bereits das sechste Mal seit Donnerstag, dass die Armee in den Gazastreifen eindrang. Die Palästinenser sehen darin eine massive Verletzung der Autonomieverträge mit Israel. Nördlich von Ramallah wurde am Sonntag in der Nähe der jüdischen Siedlung Maale Nevona ein Israeli durch Schüsse leicht verletzt. Sein Auto sein von Palästinenser beschossen worden, sagte in israelischer Armeesprecher.

Israel verurteilte die Freilassung des radikalen Hamas-Führers Abdel Aziz el Rantisi aus palästinensischer Haft. Ein Berater des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon, Dori Gold, warf Palästinenser-Präsident Yasser Arafat vor, er gehe nicht entschieden genug gegen "Terroristen" vor. Rantisi, der am Sonntag in Gaza frei kam, war erst Ende April festgenommen worden. Zur Begründung hieß es damals, er habe die Autonomiebehörde während einer Demonstration im Gazastreifen "kritisiert und ihr gedroht". Der Mitbegründer der radikal-islamischen Hamas war in den vergangenen Jahren mehrfach von der Palästinenserbehörde festgenommen und wieder freigelassen worden. (APA/Reuters)

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