Bossi: "Wir müssen unsere Traditionen verteidigen"

14. Mai 2001, 07:26
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Chef der Lega Nord kritisiert Karl Popper (Bild)

Rom - Der Chef der Lega Nord, Umberto Bossi, hat die Marktwirtschafts-Theorien des Wiener Philosophen Karl Popper scharf kritisiert. In einer Rede bei der Einweihung eines Studiumszentrum für lombardische Sprache und Literatur in Busto Arsizio bei Mailand erklärte Bossi, Liberalismus und Individualismus seien für die Wirtschaft ein großer Wert. "Es ist aber gefährlich, die Gesellschaft in eine reine Marktwirtschaft umzuwandeln, nach den Schwachsinnigkeiten des Österreichers Karl Popper", sagte Bossi, der im vergangenen März eine Wahlallianz mit Oppositionschef Silvio Berlusconi eingegangen war.

Bossi rief die Italiener auf, die Werte der Familie und der lokalen Kulturen und Traditionen vor dem Schreckgespenst der Globalisierung zu verteidigen. "Wenn wir die westliche Kultur retten wollen, müssen wir unsere Traditionen verteidigen", so der Lega-Chef. Der Einsatz für lokale Sprachen sei daher von ausschlaggebender Bedeutung.

Erneuerung der Mitte-Rechts-Allianz

Der Gründer der Lega Nord wählte am Sonntag in Turin, wo er seinen Wohnsitz hat. Er wurde von mehreren Anhängern der Lega Nord umjubelt. "Ich bin sicher, wir werden es schaffen. Sollte die Linke gewinnen, wird sie in kürzester Zeit vier oder fünf Millionen Ausländer nach Italien bringen, was für dieses Land das Ende bedeuten würde. Diesmal wird die Linke jedoch nicht gewinnen. Heute ist ein wichtiger Tag für die Erneuerung. Mit der Mitte-Rechts-Allianz kann für Italien eine wirklich eine Phase der Erneuerung beginnen", so Bossi.

Der Lega-Chef versicherte, dass er im Gegensatz zum Jahr 1994 dem Oppositionschef Berlusconi treu bleiben wird. "Dieses Mal haben wir ein gemeinsames Wahlprogramm ausgearbeitet, was im Jahr 1994 nicht der Fall war", so Bossi, der vor sieben Jahren eine Allianz mit Berlusconi eingegangen war, dessen Regierung jedoch nach neun Monaten gestürzt hatte. Mit Berlusconi werde er gegen die Linke arbeiten, die aus Europa einen "Superstaat ohne nationale Souveränität" machen wolle. Sein Ziel sei dagegen der Aufbau einer "europäischen Konföderation, die die westliche Demokratie" bewahre. (APA)

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