Palfinger: Akquisition und Kapitalerhöhung

13. Mai 2001, 20:37
posten

Gute Kursentwicklung ist alles andere als eine Luftblase

Wien - Trotz der unsicheren Situation an den Börsen plant der im B-Segment der Wiener Börse notierte Salzburger Kranhersteller Palfinger AG eine Kapitalerhöhung. Der absolute Informationsstopp ("black out period") spricht aber dafür, dass die Deutsche Bank als Lead Manager und die Raiffeisen Zentralbank als Komanager bereits in den Startlöchern stehen.

Die Kapitalmaßnahme wird unmittelbar der weiteren Expansion des Unternehmens dienen. Der internationale Marktführer bei Lkw-Knickarmkränen und Produzent von hydraulischen Systemen steht kurz vor der Übernahme der brasilianischen Madal, der südamerikanischen Nummer eins bei hydraulischen Ladegeräten. In Südamerika liegt der Umsatzanteil derzeit lediglich bei 0,8 Prozent, die Hürde wettbewerbshinderlicher Zugangszölle wird durch die Akquisition beseitigt.

Der südamerikanische Markt könnte künftig ähnlich wichtig werden wie das USA-Geschäft, wo Palfinger Ende des Vorjahres seinen größten Händler aufgekauft hat und der Umsatzanteil derzeit rund sieben Prozent beträgt. Zudem wird heuer kräftig in den Ausbau der E-Logistic investiert: Die intensiven Vorbereitungen wurden in den letzten Monaten durch die Partnerschaft mit der Vorarlberger Softwarefirma Identic Solutions und der deutschen Star-Track, die die Hardware liefert, abgeschlossen.

"Verträge mit ersten Kunden sind bereits abgeschlossen", so Palfinger-Sprecher Hannes Roither. Namen sollen demnächst bekannt gegeben werden. Gerüchteweise könnten die ÖBB darunter sein. Analysten beurteilen diese Pläne sehr positiv. "Das wird ein toller Markt", betont Erste-Bank-Analyst Ralf Burchert, "E-Logistic ist ein Bereich, den viele Firmen auslagern wollen."

Der Aktienkurs des noch immer mehrheitlichen Familienunternehmens hat nach einer Rekordperformance von plus 56 Prozent im Vorjahr auch heuer schon um 17 Prozent zugelegt.


Keine Luftblase

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund Elf erscheint dennoch auf den ersten Blick günstig. Erst ein Branchenvergleich relativiert dies: Der schärfste Konkurrent, die finnische Partek, ist derzeit mit einem KGV von rund sieben um einiges billiger bewertet.

Dennoch ist die gute Kursentwicklung alles andere als eine Luftblase: Palfinger erzielt hervorragende Margen und peilt für heuer das vierte Rekordjahr in Folge an - und das trotz der sinkenden Lkw-Zulassungsraten in Deutschland. Kompensiert werden diese rückläufigen Tendenzen beim Hauptumsatzträger Lkw-Kräne mit neuen Produkten. (Gerlinde Maschler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2001)

Share if you care.