Ethik bringt gute Zinsen

13. Mai 2001, 19:27
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"Nachhaltige" Investments schaffen den Durchbruch - Gutmann-Bank bringt zwei Fonds

Wien - Ein wenig sonderbar und vor allem etwas für sehr idealistische Anleger, die für ihr sensibles Gewissen auch enttäuschende Erträge in Kauf nehmen - das war bisher das Image von Ethik-Fonds. Der Verzicht auf viele große ertragreiche Unternehmen - weil sie Waffen, Alkohol, Tabak, Atomtechnologie produzieren, leichtfertig die Umwelt verschmutzen oder Menschenrechte in Ländern der Dritten Welt missachten, schlug sich mit mageren Renditen in der Jahresabrechnung nieder. Dazu waren es oft nur Anbieter der zweiten oder dritten Reihe, die entsprechende Produkte anboten.


Zwei Trends

Doch dieses Image ist nicht mehr zutreffend. Ethische Investments bringen oft schon bessere Renditen, als der Marktdurchschnitt bieten kann, und dafür sind vor allem zwei Entwicklungen verantwortlich: Zum einen steigt die Nachfrage stark an. In Großbritannien sind Ethik-Fonds bereits fixer Bestandteil der Pensionsfonds-Gesetzgebung, und auch in den Niederlanden, Belgien und Schweden müssen die Pensionsfonds darüber Auskunft geben, in welchem Ausmaß ethisch-ökologische Aspekte in ihre Investmententscheidungen Eingang finden. Auch in Österreich finden bereits ähnliche Überlegungen statt. Neben dem steigenden Interesse der Anleger sind aber auch die internationalen Finanzmärkte in Bewegung geraten: Die Münchener Rück, die größte Rückversicherung der Welt, untersucht versicherungsmathematisch genau die Auswirkungen von Treibhauseffekt und daraus resultierenden Naturkatastrophen. Unter Experten gilt es als gesichert, dass nach dem Verursacherprinzip Unternehmen, die die Umwelt überdurchschnittlich verschmutzen, auch verstärkt zur Kasse gebeten werden. Auf den Finanzmärkten hat dies dann zur Folge, dass "schmutzige" Aktien auch schlechtere Erträge abwerfen werden, was positive Lenkungseffekte mit sich bringt. Ein weiterer Schub für die ethischen Investments kommt von den großen Indexanbietern: Nach Dow Jones legt nun auch die Financial Times mit dem "FTSE4Good Europe" ab Sommer einen Index auf, der nur Unternehmen nach ethischen Kriterien aufnimmt.

Den Unternehmen, die den Sprung hinein schaffen, winken höhere Umsätze und Kurse. Die Wiener Privatbank Gutmann legt, diesem internationalen Trend folgend, mit Juni zwei Ethik-Fonds auf. Als Anlageberater fungiert die Zürcher Vermögensverwaltung Höller. Der "Prime Value Aktien Europa"-Fond setzt auf Aktien, die zu 90 Prozent aus den rund 600 wichtigsten europäischen Unternehmen im Euro-Stoxx-Index kommen. Ausschlusskriterien sind: Missachtung der Menschenrechte, die Erzeugung militärischer Güter, Drogengeschäfte, Prostitution und Menschenhandel, Kinderarbeit, Nukleartechnologie. Über die Einhaltung wacht ein Ethikkomitee. Als zweites Produkt gibt es einen Anleihenfonds, der nach gleichen Kriterien arbeitet. (Michael Moravec, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2001)

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