Der Lebenswille im HipHop

13. Mai 2001, 19:36
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Der New Yorker Afu Ra präsentiert am Montag sein Album "Body Of The Life Force"

Wien - Die von dem New Yorker HipHop-Poeten und Vordenker Saul Williams kürzlich im STANDARD-Gespräch angeführte Entwurzelung von Afroamerikanern durch die Sklaverei verantwortet heute noch die verschiedensten identitätsstiftenden Erscheinungsformen. Das Auslöschen afrikanischer Traditionen - von Williams sowohl als Bürde als auch als neue Freiheit interpretiert -, bescherte dem HipHop etwa den Gangster als idealisierte Robin-Hood-Figur.

Verantwortungsvollere Role-Models lieferten KRS-One als neuzeitlicher Wanderprediger oder Public Enemy als Reporter des Gettos und der "Revolution". Neben diesen weltlichen Modellen gab und gibt es im HipHop aber immer auch spirituell-philosophische. Durch den eingangs beschriebenen Bruch in der Geschichte der Schwarzen erscheinen diese jedoch meist angeeignet und nicht evolutionär entstanden.

Das gilt für die Black-Muslim-Anhänger eines Louis Fahrakan, das wenig durchdachte Kokettieren des Wu-Tang-Clans mit dem Glauben von Shaolin-Mönchen und endet bei einem Mischmasch aus Esoterik und diversen religiösen Versatzstücken. Afu Ra, ein New Yorker Rapper wiederum verschreibt sich dem Kampfsport Taekwondo und dessen Philosophie.

"Afu" bedeutet im ägyptischen "Buch des Todes" Körper, während "Ra" für den Lebenswillen steht. Aus dieser gut in sich selbst ruhenden Position heraus hat Afu Ra im Vorjahr ein bestechendes Hip-Hop-Album veröffentlicht: Body Of The Life Force.

Darauf erlaubt Afu Ra tiefe Einblicke in die Sichtweise seiner Existenz, seine Möglichkeiten und Grenzen als Schwarzer. Und dafür bemüht Afu Ra nicht weniger als das gesamte Universum als Erklärungsmodell. Umgesetzt werden diese Erkenntnisse mittels konzentriert eleganten Produktionen von DJ Premier, bekannt von Gang Starr.

Afu Ra, enger Freund und Wegbegleiter des Rappers Jeru The Damaja, spart Macho- und Gangstertum komplett aus und schuf so ein sich auf der Höhe der Zeit befindliches HipHop-Werk im East-Coast-üblichen Midtempo.

Am Montag präsentiert der Endzwanziger sein Album im Rahmen des Dub Club im Wiener Flex. Karl Fluch
Afu Ra live: Flex, 1., Donaukanal, 533 75 25.
22.00

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