Unsicherheitsfaktor Euroumstellung

13. Mai 2001, 19:33
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Autohandel blickt gespannt auf zweite Jahreshälfte

Wien/Salzburg - Stagnation auf hohem Niveau bei den Pkw-Neuzulassungen bis hin zu einem leichten Rückgang, Unsicherheitsfaktor Euroumstellung: Mit diesen Rahmenbedingungen muss sich die Branche nach Jahren des Booms heuer zurechtfinden. Auch der erfolgsverwöhnte heimische Branchenprimus, die im europäischen Automobilhandel tätige Porsche Holding GesmbH, blickt mit eher gemischten Gefühlen auf die zweite Jahreshälfte.

Generell stellt sich das in Salzburg ansässige Unternehmen, was Österreich - laut Unternehmenssprecher Hermann Becker die "Drehscheibe unseres Erfolgs" - betrifft, langsam auf ein "Normaljahr" ein. Das bedeutet: Nach 309.500 Autoneuzulassungen im Vorjahr werde sich der Markt diesmal wohl auf 300.000 bis 305.000 Stück einbremsen. Die Schätzung ist etwas optimistischer als die mancher Konkurrenten, die Prognosen aus Salzburg haben sich aber stets als überraschend präzise erwiesen.

Die große Unbekannte für heuer, erläutert Becker im Gespräch mit dem STANDARD, sei aber die bevorstehende Umstellung auf den Euro. Zwar "glaube ich nicht, dass der Markt deshalb den Atem anhält", es könne aber dennoch entweder zu vorgezogenen Käufen kommen, solange es die vertraute Währung Schilling noch gebe. Oder aber, zweite Variante, die Kunden "warten mit ihrer Kaufentscheidung ab, bis sie mit dem Euro richtig umgehen können". Die Sache liege im psychologischen Bereich.

Eher nebenbei, fast verschämt, gab die Porsche Holding bekannt, im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. April 2000 bis 31. März 2001) das beste Ergebnis aller Zeiten eingefahren zu haben. Mit ein Grund für das Understatement: Hierzulande hat man sich als Importeur der VW-Konzernmarken - VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Lamborghini - und der Sportwagenmarke Porsche eine beinahe unmoralische Marktposition erkämpft. Im ersten Quartal 2001 sicherten sich die Salzburger einen historischen Bestwert von 35,2 Prozent des Kuchens. Das hatte es nicht einmal zu Käfer-Zeiten gegeben; eine deutlichere Dominanz erzielt nur noch die Toyota-Gruppe in Japan.

Im gesättigten Markt Österreich ist Wachstum aber nur mehr über beinharten Verdrängungswettbewerb möglich, der Erfolg des einen ist der Misserfolg des anderen - Ford etwa hat im ersten Quartal trotz neuer Modelle deutlich Federn lassen müssen.

Mit 289.300 abgesetzten Neu- und Gebrauchtwagen betonierte die Porsche Holding gleichzeitig ihre Position als "erfolgreichstes privates Automobil-Handelsunternehmen Europas" (Becker). Wobei im Ausland erstmals mehr Fahrzeuge verkauft wurden als im Inland, 151.300 zu 138.000 laute das Verhältnis. Beim Geschäftsumfang bleibt Inland (48,25 Mrd. S Umsatz) vor Ausland (24,04 Mrd. S). Besonders in Osteuropa ist die Holding mit Vollgas unterwegs, der stärkste Wachstumsimpuls kam aus dieser Region. Der Geschäftsumfang erreichte bereits 15,0 Mrd. S (plus 37,4 Prozent).

Und die Reformländer bleiben interessant, Experten orten anhaltend großen Nachholbedarf in Sachen Mobilität. In Ungarn etwa - dort ist Opel als Einzelmarke Nummer eins, die Porsche Holding liegt aber mit den VW-Konzernmarken und 20 Prozent Marktanteil voran - werden jährlich 150.000 Pkw neu zugelassen. Das Land hat zehn Mio. Einwohner. Österreich setzt bei einer Bevölkerung von acht Mio. das Doppelte ab. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2001)

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