FP-Vorarlberg gegen Bartenstein

13. Mai 2001, 19:55
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Hubert Gorbach fordert ein Umdenken in der Saisonnier-Frage

Bregenz - Hubert Gorbach, freiheitlicher Landesparteiobmann in Vorarlberg, fordert von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ein Umdenken in der Saisonnier-Frage. Die akute Not der Vorarlberger Industrie an qualifizierten Schweißern zeige eine "alte Sünde" in der Bildungs- und Ausbildungspolitik der letzten Jahrzehnte auf. Diese Fehlentwicklung müsse erstens gestoppt und zweitens an der Wurzel behandelt werden. Das Nein von Bartenstein zu einer saisonalen Beschäftigung von ausländischen Schweißern dürfe deshalb nicht das letzt Wort in dieser Causa bleiben, so Gorbach in einer Aussendung.

Der akute Mangel an gut ausgebildeten Schweißern im Ländle ist bereits chronisch. Vorarlbergs Maschinenbauern fehlen rund 100 Fachkräfte dieser Berufsgruppe, die innerhalb der EU nicht zu finden sind. Abhilfe könnten nach Vorstellung der betroffenen Firmen Schweißer aus Ländern der geplanten EU-Osterweiterung schaffen, die über einen Saisonnier-Status im Ländle beschäftigt werden könnten. Ein diesbezüglicher Antrag wurde jedoch von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein mit der Begründung "die Beschäftigung von Schweißern sei nicht saisonabhängig" abgelehnt.

Ohne die grundsätzliche Haltung der Bundesregierung bei der Festlegung der Zuwanderungsquote infrage zu stellen, könne er - Gorbach - sich in "einer derartig nachvollziehbaren und dokumentierten Sondersituation" zeitlich begrenzte Ausnahmen vorstellen. Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer habe ihm auch zugesichert, diese Angelegenheit koalitionsintern in einer Arbeitsgruppe prüfen zu lassen und bis Juni Ergebnisse vorzulegen. Das vorliegende Schreiben des Wirtschaftsministers, in welchem er eine Ausweitung des Saisonnier-Modells in diesem Fall ablehnt, komme für Gorbach daher überraschend.

Neben einer flexiblen Haltung in diesem Spezialfall mahnt Gorbach vor allem Maßnahmen zur mittel- und langfristigen Lösung derartiger "arbeitsmarktpolitischer Fehlentwicklungen" ein. Hier sei nicht nur das Bildungsministerium, sondern auch der Arbeits- und Wirtschaftsminister gefordert. Der Ruf nach mehr EU-Auslandsarbeitskräften könne keine Dauerlösung sein. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2001)

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