Streikdrohung aus dem Postbus

14. Mai 2001, 12:37
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Belegschaft wehrt sich gegen angekündigte Gehaltskürzungen bis zu 30 Prozent

Wien - Die jüngste ÖIAG-Beteiligung, der Postbus, rollt unaufhaltsam auf einen Reifenplatzer zu. Die Stimmung unter den Beschäftigten ist hoch explosiv und Fahrgäste könnten in den nächsten Wochen vergeblich auf die gelben Linienbusse warten. Der Grund: Die Gewerkschaft will die von der Unternehmensleitung geplanten Gehaltskürzungen nicht hinnehmen.

"Sollte den Postbus-Angestellten tatsächlich das Gehalt gekürzt werden, gibt es Betriebsversammlungen", kündigt Robert Wurm, der oberste Postbus-Gewerkschafter gegenüber dem STANDARD an. Auch Streiks könnten nicht mehr ausgeschlossen werden, falls die Postbus-Chefs Wilhelmine Goldmann und Werner Ott nicht einlenken.

Die 3500 Postbus-Mitarbeiter bekommen in den nächsten Tagen jedenfalls "heiße" Post aus der Chefetage. Die Briefe, in denen bis zu 30-prozentige Gehaltseinbußen angekündigt werden, sind dem Vernehmen nach bereits unterwegs. Was Betriebsrat Wurm besonders erzürnt: Dass der neue Tarifvertrag bereits rückwirkend ab März gelten soll und den Mitarbeitern dadurch Rückzahlungen drohen.

Der Hintergrund der Aktion: Mit der Ausgliederung des Postautodienstes aus der Post in die Verstaatlichtenholding ÖIAG gilt der Kollektivvertrag (KV) der gelben Post für die Postbus AG nicht mehr. Neu eintretende Mitarbeiter bekommen nun automatisch den "normalen" Branchen-KV des Transportgewerbes. Die "Neuen" verdienen damit um bis zu 30 Prozent weniger als die "alten" Busfahrer der Post.

Die Postbus-Chefs wollen jedoch noch weiter gehen, ist aus der ÖIAG zu erfahren. Gestützt auf ein Gutachten dies Sozialrechtlers Wolfgang Mazal wollen sie künftig überhaupt nur mehr nach Branchen-KV zahlen. Damit sollen die explodierenden Personalkosten - mit 1,6 Mrd. S verschlingen die rund 3500 Postbusbediensteten 58,8 Prozent des Umsatzes - der in den roten Zahlen fahrenden gelben Busse eingebremst werden. Wie berichtet, weist Österreichs größte Liniengesellschaft in der Bilanz 2000 bei einem Umsatz von 2,7 Mrd. S ein negatives Ergebnis der Geschäftstätigkeit (EGT) von 92,55 Mio. S (6,73 Mio. EURO) aus.

Die Gewerkschaft will diesen Eingriff in den laufenden Tarifvertrag naturgemäß nicht hinnehmen und vor den Kadi ziehen. Mittels Feststellungsklage soll ermittelt werden, ob die Vorgangsweise der Unternehmensleitung rechtens ist. Laut Gutachten der Arbeiterkammer stünden die Chancen für die Fahrer der 1600 Busse zählenden gelben Flotte nicht schlecht. "ÖIAG und Post halten ihr Wort nicht", wettert Wurm. ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz und Post-Generaldirektor Anton Wais hätten vor der Ausgliederung hoch und heilig versprochen, in bestehende Dienstverträge nicht einzugreifen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2001)

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