Frühe Hürden als Hilfe

13. Mai 2001, 19:40
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Eingangsphase soll Dropout senken - Bei 80 Studien eingesetzt

Graz/Wien - Den Terminus "Auslese" möchte er nicht in den Mund nehmen, obzwar es letzten Endes auf eine gewisse Selektion hinauslaufe. Denn: Grazer Jus-Studierende werden gleich zu Anbeginn mit der Praxis konfrontiert, "und da schmeißen viele bald nach dem Anfang das Handtuch", weiß der ehemalige steirische Liberalen-Chef und nunmehr in seinen Beruf als Rechtsprofessor an die Uni zurückgekehrter Christian Brünner.

Die neue "Studieneingangsphase" an der Grazer Rechtswissenschaftlichen Fakultät ist eine bewusst aufgestellte erste große Hürde beim Eintritt ins Studium. Brünner: "Es ist sicher besser, dass Studenten gleich zu Beginn wissen, ob sie es wollen und auch schaffen können." Demgemäß werde am Beginn auch mit einiger Strenge, und "ein bissl" (Brünner) Verschulung, aber auch mit neuer direkter Praxisbezogenheit, das "juristische Handwerkszeug" gelehrt.

In geraffter Form wird abgehandelt, worum es sich bei der Juristerei eigentlich handelt. Anhand praktischer Fälle werden in einem Kurssystem Verwaltungs-, Verfassungs-, Straf- und Privatrecht durchgepaukt. Erst dann folgt die Vertiefung.

Dass etwas geändert gehört, beweist die Statistik: Fast jeder zweite Studierende - im Jahr 2000 waren es 48 Prozent - bricht mitten im Studium vorzeitig ab. Die Studieneingangsphasen sollen nun helfen, den hohen Dropout der Studierenden zu senken oder zumindest an den Studienbeginn "vorzuverlegen". "Bisher gab es oft das Problem, dass der konkrete Inhalt des Studiums erst sehr viel später vermittelt worden ist. Jetzt passiert das bereits in den ersten beiden Semestern", erklärt Friedrich Faulhammer, zuständiger Beamter im Bildungsministerium, im Gespräch mit dem STANDARD.

Bis Herbst 2002 müssen alle 370 Studiengänge eine derartige Eingangsphase anbieten. Derzeit tun dies allerdings erst 80. Wobei weder Knockout-Prüfungen noch spezielle Sonderlehrveranstaltungen darunter zu verstehen seien, sagt Faulhammer weiter. Außerdem gebe es auch keine gesetzliche Bestimmungen, die besagen würden, dass man nur weiterstudieren darf, wenn man die Eingangsphase bestanden hat.

Die Österreichische Hochschülerschaft findet die Neustrukturierung für den Studienbeginn "prinzipiell positiv". Allerdings nur dann, wenn "es eine reine Orientierungsphase für Studierende" ist und keine Knockout-Prüfungen beinhaltet. (mue/pm/DER STANDARD, Print- Ausgabe, 14. 5. 2001)

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