"Die Katastrophe geht nie vorbei"

13. Mai 2001, 17:21
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Enschede gedachte der Explosionskatastrophe vom 13. Mai 2000

Den Haag - Am ersten Jahrestag der verheerenden Explosion in einer Feuerwerksfabrik hat die Bevölkerung der niederländischen Stadt Enschede am Sonntag der 22 Toten vom 13. Mai 2000 gedacht. Am Zaun um das damals vollständig zerstörte Wohnviertel Roombeek und an Gedenkplaketten in anderen Teilen der Stadt legten Überlebende Blumen nieder. Wie am Katastrophentag herrschten bei strahlend blauem Himmel sommerliche Temperaturen, als die Menschen entlang des 62 Hektar großen Trümmergebiets wanderten. Bei dem Unglück waren mehr als 1.000 Menschen verletzt worden.

Viele der obdachlos gewordenen 1.500 Bewohner hoffen, vom Jahr 2002 an wieder in das Gebiet zurückkehren zu können. Der Wiederaufbau des Viertels soll mit einem Aufwand von 500 Mill. Gulden (227 Mill. Euro/3,12 Mrd. S) bis 2007 abgeschlossen sein. Für die Fabrik S.E.Fireworks, auf deren Gelände 170 Kilo Feuerwerkskörper lagerten und explodierten, soll dann kein Platz mehr im Wohngebiet sein.

"Die Katastrophe geht nie vorbei", hatte am Vorabend des Jahrestags Enschedes Bürgermeister Jan Mans gesagt. "Sie brachte ein Ende und einen Neubeginn", fasste er bei einer amtlichen Gedenkfeier Erfahrungen der Betroffenen zusammen. Viele teilten die Vergangenheit ein in "die Zeit vor und die Zeit nach der Katastrophe" meinte er.

Solidarität

Ein Sprecher der Überlebenden äußerte bei dem Gedenken den Wunsch, dass die Solidarität erhalten bleibe, mit der die Betroffenen einander seitdem unterstützt hätten. In der Stadt hingen überall zum Zeichen der Trauer Flaggen auf halbmast.

In der katholischen Marienkirche war das Gedenken am Sonntag trotz Neuaufbaus des Gotteshauses von Trauer geprägt. Die Kirche, die bei der Explosion schwer beschädigt worden war, wurde unter einem neuen Dach wieder geöffnet. Spenden hatten zur Reparatur der Schäden beigetragen, erinnerten Sprecher der Gemeinde beim ersten Gottesdienst am Sonntag.

Die juristische Aufarbeitung der Explosionskatastrophe beginnt voraussichtlich im Herbst. Dann soll den beiden Fabrikdirektoren Ruud Bakker und Wim Pater der Prozess gemacht werden. Ihnen wird neben Verstößen gegen Umweltschutzbestimmungen fahrlässiges Verursachen eines Brandes, ersatzweise fahrlässige Tötung, vorgeworfen. Außerdem wird noch immer ein 33 Jahre alter Mann aus Enschede unter dem Verdacht der Brandstiftung in Haft gehalten. (APA)

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