Gerhard Berger und die Nullnummer

13. Mai 2001, 18:10
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"Hätten auch ohne Defekt nicht gewonnen"

Spielberg - "Es gibt gute und weniger gute Tage. Heute war ein weniger guter!" BMW-Sportdirektor Gerhard Berger nahm die Nullnummer seiner Autos im Österreich-Grand-Prix gefasst hin. Und überraschte mit der Aussage: "Wir hätten auch ohne Defekte nicht gewonnen."

Was den Tiroler so sicher macht: "Um zu gewinnen, waren unsere Rundenzeiten zu wenig konstant. Auch unser Speed war nicht so wie gewünscht, wir haben noch viele kleine Probleme im Umfeld." BMW-Williams sei zwar weiterhin die dritte Kraft in der Formel 1, "aber um die Top zwei anzugreifen, reicht es noch nicht", erklärt Berger.

Williams-BMW erstmals mit Doppelführung

Was blieb, war die Erkenntnis, dass im Gegensatz zu vielen Konkurrenten wie McLaren (Häkkinen blieb wie Coulthard in Barcelona schon am Start stehen) die neuen Elektronikhilfen bei Williams-BMW wenigstens am Start bereits perfekt funktionieren. Juan Pablo Montoya ließ Pole-Halter Michael Schumacher keine Chance und schoss in Führung, auch Ralf Schumacher fuhr problemlos aus der zweiten Reihe an seinem Bruder vorbei. Damit lagen erstmals zwei Williams-BMW in einem WM-Lauf in Front.

Aber schon in der zehnten Runde stellte der Wahl-Österreicher sein Auto mit Bremsdefekt an der Box ab. "Ich hatte fast keinen Bremsdruck mehr. Schade, denn schnell genug wäre ich gewesen", sagte Schumacher. Montoya verlor seine Führung nach einem Kurvenduell mit dem Ferrari von Michael Schumacher, das beide fast ins Verderben riss. Bald darauf (41.) rollte auch der Kolumbianer auf Platz fünf liegend mit Hydraulik-Defekt aus.

Montoya mit Hydraulik-Defekt

Den spektakulären Kampf seines Schützlings gegen den Weltmeister goutierte zwar auch Berger, wirklich glücklich war er darüber aber nicht. "Gewonnen hast du sowas nur, wenn du insgesamt vorne bleibst. Aber man weiß ja, dass Montoya eher keinen Platz macht."

Es passte aber zum Gesamtbild, das auch Berger zustimmend quittierte: "Es war ein traumhafter Grand Prix für die Zuschauer mit einem Super-Finale." Dass Barrichello Schumacher am Zielstrich vorbei ließ, war für Berger in Ordnung. "Das war zu erwarten. Rubens ist kein WM-Kandidat, Michael schon. Es gehört viel Disziplin und Charakter dazu, aber Rubens ist ein Team-Player."

Aufregender A1-Ring

Was unter dem Strich blieb, war, dass der A1-Grand-Prix 2001 der aufregendste der Saison war. "Der A1-Ring hat gezeigt, dass seine Strecken-Charakteristik spannende Rennen garantiert", meinte auch Berger zustimmend. Mercedes-Sportchef Norbert Haug trug im Siegestaumel noch dicker auf: "Das war das spannendste Rennen des Jahres!" (APA)

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