Widerstand gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit

13. Mai 2001, 16:35
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Präsident des deutschen PEN-Zentrums fordert aktive Politik

Erfurt - Der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Said, hat zu deutlicherem Widerstand gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland aufgerufen. Es fehlten klare Gesten von Politikern, sagte der gebürtige Iraner am Samstagabend in einer Diskussionsrunde im Rahmen der PEN-Jahrestagung, die am Sonntag in Erfurt zu Ende ging.

Politiker wie der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber.oder CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz zündelten im Gegenteil mit Begriffen wie "durchraßte Gesellschaft" oder "deutsche Leitkultur", kritisierte Said, der seit 35 Jahren in der Bundesrepublik lebt. "Die deutsche Kultur, wie ich sie kenne, kann noch weitere 100.000 Ausländer vertragen", meinte er. "Sie kann auch Herrn Merz vertragen."

Begriffe wie Heimat müssten ohne Ideologien neu definiert werden. "Wir dürfen sie nicht einer radikalen, gerissenen Minderheit überlassen", sagte Said. "Wir müssen das positiv besetzen, was andere negativ besetzt haben", sagte auch der Publizist und Theologe Friedrich Schorlemmer.

"Gegenkräfte wurden nicht mobilisiert"

Die ehemalige Ausländerbeauftragte von Berlin, Anetta Kahane, warf der Thüringer Landesregierung vor, den Rechtsextremismus lange nicht als Problem erkannt zu haben. "Gegenkräfte wurden nicht mobilisiert." Wer den Rechtsextremismus verschweige, schaffe erst ein Klima, in dem Neonazis Terror verbreiten könnten. Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski (CDU) sagte, dass es in der DDR zwar verordneten Anti-Faschismus, aber keine innere Auseinandersetzung mit dem Faschismus gegeben habe. "Das muss jetzt geleistet werden." Die Ostdeutschen seien dabei auf Hilfe angewiesen, vor allem die Jugendlichen.

Rund 160 Autoren, Herausgeber und Übersetzer des PEN mit insgesamt 670 Mitgliedern hatten seit Donnerstag in Erfurt über das Thema "Freiheit des Wortes - Worte der Freiheit" debattiert. Zum Auftakt war an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 erinnert worden. (APA)

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