Silicon Valley als Stromfresser

13. Mai 2001, 14:28
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Umweltprobleme im High-Tech-Tal

Nicht nur sauber, sondern klinisch rein. Das ist das Image der High-Tech-Industrie und der Internet-Ökonomie. In der Prozessoren-Herstellung tragen die Experten weiße Schutzkleidung in ihrer staubfreien Umgebung. Gleichzeitig lassen immer mehr Menschen ihr Auto in der Garage. Sie arbeiten zu Haus und bestellen an ihren Computern Lebensmittel oder Bücher, die aus perfekt organisierten Warenlagern angeliefert werden. Ein ökologisch unbedenkliches System, das ist die Theorie. Aber die Realität sieht ganz anders aus.

Digitale Müllhalde

Amerikanische Umweltgruppen wie die Silicon Valley Toxics Coalition (SVTC) sprechen bereits von einer digitalen Müllhalde. Auf diesem ständig wachsenden Berg landet etwa das aufwendige Verpackungsmaterial für Postsendungen, die online bestellt wurden. Dazu kommen Millionen von ausgemusterten Computern, Monitoren und Druckern, die hochgiftige Substanzen wie Blei und Quecksilber enthalten.

Kaliforniens Silicon Valley ist gleichzeitig der Ursprungsort eines Umweltproblems, das nach Ansicht vieler Experten in Zukunft auch weltweit immer gravierender werden wird. Die Ausrüstung der Internet-Wirtschaft frisst mehr und mehr Strom, sagt Mark Mills, der Herausgeber des Magazins "Huber Mills Digital Power Report". Jeder neue Prozessor steigert diesen Bedarf an Elektrizität, und dazu kommt noch der ständig wachsende Bedarf an Servern, die das digitale Rückgrat des Internets bilden.

Energieverbrauch einer Kleinstadt

Die zentralen Computer von Online-Diensten wie AOL und Händlern wie Amazon bilden so genannte Server-Farmen, deren Energieverbrauch oft dem einer Kleinstadt gleichkommt. Die Server-Farmen kennen keine Nachtruhezeiten und sind täglich 24 Stunden lang im Einsatz. Dazu kommen stromfressende Klimaanlagen, die dafür sorgen müssen, dass sich die empfindlichen Geräte nie überhitzen.

Die aktuelle Krise im Bundesstaat Kalifornien machte plötzlich dem ganzen Land bewusst, wie groß der Anteil der High-Tech-Firmen am Stromverbrauch des Bundesstaates mit seinen 34 Millionen Einwohnern ist. Das Magazin "U. S. News and World Report" präsentierte jetzt präzise Statistiken: Während in der ständig wachsenden Großstadt Los Angeles der Stromkonsum in den vergangenen sieben Jahren gleich hoch blieb, stieg er im Silicon Valley seit 1994 um sechs Prozent.

Die High-Tech-Region trägt damit zur Überlastung bei, unter der Kaliforniens Stromnetz neuerdings immer wieder zusammenbricht. Neue Kraftwerke werden dringend benötigt, und die USA denken bereits über die verstärkte Nutzung der Atomenergie in bevölkerungsreichen Staaten wie Kalifornien nach. Bis die neuen Kraftwerke gebaut sind, müssen sich die Unternehmen im Silicon Valley weiterhin mit einem Notbehelf gegen den Stromausfall absichern: Extrem umweltschädliche Dieselgeneratoren sind nach wie vor die populärste Lösung.

Die aktuelle Energiekrise führt nun erstmals in der Geschichte des amerikanischen High-Tech-Mekkas zu einem massiven örtlichen Protest aus Umweltschutzgründen. Bei San Jose will das Unternehmen Dataport eine gigantische Server-Farm errichten. Der Komplex soll auf einem 60-Hektar-Gelände entstehen. Geplant sind zwar Erdgas-betriebene Turbinen, die 30 Megawatt Strom herstellen.

Der gesamte Betrieb benötigt allerdings weitere 150 Megawatt aus dem ohnehin schon arg strapazierten öffentlichen Netz - genug Elektrizität für über 150.000 Privathaushalte also. Der Stadtrat San Joses befürwortet das Projekt, aber Umweltschützer unter Führung der SVTC wollen notfalls gerichtlich gegen die Dataport-Baupläne vorgehen. (APA/dpa)

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