Pakistan für Flüchtlingsstopp

13. Mai 2001, 14:53
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Keine weitere Aufnahme afghanischer Flüchtlinge - Ersuchen der Vereinten Nationen abgelehnt

Peshawar - Pakistan will ungeachtet einer Bitte der Vereinten Nationen keine afghanischen Flüchtlinge mehr aufnehmen. Der zuständige Provinzgouverneur Iftikar Hussain Shah sagte am Sonntag in Peshawar, sein Land sei arm und könne es sich nicht leisten, noch mehr Menschen zu versorgen. Er forderte die UNO auf, Flüchtlingslager im Inneren Afghanistans aufzubauen. Pakistan schloss im Jänner seine Grenzen für Flüchtlinge aus dem Nachbarland. Trotzdem kommen immer noch Tausende über die Grenze.

Die Vereinten Nationen haben Pakistan zuletzt nach dem Besuch von Flüchtlings-Hochkommissar Ruud Lubbers gebeten, rund 80.000 Menschen in dem Lager Jalozai den Flüchtlingsstatus zu verleihen. Die Afghanen leben dort unter katastrophalen hygienischen Zuständen, die täglich Todesopfer fordern. In Pakistan sind seit vergangenem September mehr als 200.000 Flüchtlinge aus Afghanistan angekommen.

Humanitäre Katastrophe

Die UNO spricht von einer humanitären Katastrophe in Afghanistan. In den von den fundamentalistischen Taliban-Milizen beherrschten Gebieten werden ethnische und religiöse Minderheiten verfolgt, Frauen sind völlig entrechtet. Das Flüchtlings-Hochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) hat die internationale Gemeinschaft um 226 Millionen Dollar Krisenhilfe für Afghanistan gebeten. Bisher gingen aber nur knapp 20 Prozent der Summe ein.

Nach dem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs in Afghanistan war es vergangene Woche auch nahe der Hauptstadt Kabul zu Kämpfen zwischen den Taliban-Milizen und Verbänden ihres Gegners Ahmed Shah Massud, des Armeechefs der international anerkannten Regierung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani, gekommen. Die Rabbani-Regierung ist nach eigenen Angaben zu einem Waffenstillstand bereit, wenn auch die Taliban-Milizen einem entsprechenden UNO-Vorschlag zustimmen. Die vom Iran und den zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken unterstützte Rabbani-Regierung kontrolliert nur noch fünf Prozent des afghanischen Staatsgebiets. (APA)

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