Länger arbeiten unvermeidlich

13. Mai 2001, 15:46
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Aber das Pensionsalter von 65 erscheint der Mehrheit unrealistisch: Umfrage im Auftrag des STANDARD

Linz - Es war nur ein Nebensatz des Bundeskanzlers bei der ÖVP-Maiveranstaltung vor zwei Wochen - aber er hat eine Diskussion um das "Arbeiten bis 65" losgetreten. Eine market-Umfrage im Auftrag des STANDARD zeigt nun, dass die Österreicher sich damit abzufinden beginnen, dass man länger arbeiten muss - dennoch sagen 60 Prozent, dass der Vorschlag des Arbeitens bis 65 "eher falsch" ist.

Die Umfrage zeigt auch, dass nicht einmal die Hälfte der Österreicher wahrhaben will, worauf Kanzler Schüssel hingewiesen hat: Dass nämlich das gesetzliche Pensionsalter für Männer in Österreich bei 65 Jahren liegt. Den richtigen Tipp gaben nur 45 Prozent ab; 28 Prozent meinen, es liege bei 60 Jahren und weitere 18 Prozent vermuten den Wert irgendwo dazwischen. "Auffallend ist, dass vor allem deklarierte Sozialdemokraten das gesetzliche Pensionsalter niedriger einschätzen als der Bevölkerungsschnitt," beobachtete market-Studienleiter David Pfarrhofer.

Das "richtige" Alter

Die SPÖ-Anhänger antworten auch auffällig anders, wenn gefragt wird: "Gehen die Österreicher eher zu früh, im richtigen Alter oder eher zu spät in Pension?" Je 39 Prozent der Österreicher meinen, dass das tatsächliche Pensionsalter zu niedrig sei oder gerade richtig. Besonders Menschen unter 50 glauben, dass sich die Österreicher zu früh in die Pension verabschieden - in der Gruppe der Akademiker sowie bei ÖVP- und FPÖ-Wählern ist sogar mehr als die Hälfte dieser Meinung.

Ältere Befragte sowie die Anhänger von SPÖ und Grünen sagen deutlich seltener, dass man in Österreich zu früh in Pension gehe - in diesen Gruppen wird mehrheitlich mit "gerade richtig" geantwortet. Dass man derzeit eher zu spät in den Ruhestand tritt, gaben nur 11 Prozent zu Protokoll.

Bei jenen Befragten, die selber noch den Pensionsantritt vor sich haben, gibt es offenbar ein Grundverständnis dafür, dass das eigene Pensionsantrittsalter höher als das derzeit übliche (Früh-)Pensionsalter sein wird: 56 Prozent der Berufstätigen und noch in Ausbildung stehenden halten das für unvermeidlich. Befragte über 50 geben sich dabei allerdings mehrheitlich der Hoffnung hin, dass sich das Pensionsalter für sie selber nicht verändern wird. Nur zehn Prozent spekulieren auf ein sinkendes Pensionsalter.

Nur 31 Prozent der Befragten halten den Vorschlag, "dass die Österreicher generell länger, womöglich bis 65 arbeiten sollen [...] im großen und ganzen für richtig", 60 Prozent halten ihn für falsch. Nur unter Anhängern der Koalitionsparteien ist die Gruppe der Befürworter und der Gegner etwa gleich groß. Allenfalls können sich die Befragten vorstellen, dass gewisse Berufsgruppen länger arbeiten - vor allem Beamte, am wenigsten Bauarbeiter.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2001)

Von
Conrad Seidl

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