Jugendbanden vergewaltigen Mädchen

13. Mai 2001, 12:39
posten

Täter werden in Frankreich immer jünger - Ratlosigkeit macht sich breit

Paris - In Paris, Versailles und Aix-en-Provence wurden in den vergangenen Wochen Jugendbanden verurteilt, weil sie minderjährige Mädchen vergewaltigen. Die Justiz beobachtet das Phänomen der Gruppenvergewaltigungen mit Sorge. SozialarbeiterInnen sind ratlos, weil die Täter immer jünger werden.

Über die Gruppenvergewaltigungen gibt es keine Statistiken, aber JugendrichterInnen und SozialarbeiterInnen berichten von zunehmender Tendenz. Die Dunkelziffer halten JuristInnen für "enorm hoch". "Die Täter drohen ihren Opfern, alles zu erzählen. Woher sollen die eingeschüchterten Mädchen, die häufig labil sind, den Mut nehmen, Klage zu erheben?", fragt die Anwältin Isabelle Steyer. "Eine Vergewaltigung hinterlässt beim Opfer immer Schuld- und Schamgefühle", sagt sie.

Leichter in der Gruppe

"Die jugendlichen Täter haben keine Schuldgefühle, weil sie in der Gruppe handeln. Allein würden sie wahrscheinlich nie einem Mädchen Gewalt antun", sagt der Kinderpsychiater Claude Aiguesvives. "Das ist so etwas wie eine Mutprobe - sie müssen sich als Männer beweisen." Um ihr Gewissen zu beruhigen, klassifizierten die Jugendlichen die Mädchen in "die Anmacherinnen und die Nutten", die als Sex-Objekte taugten, und in die "Anständigen", die man nicht anrühre.

Beim Jugendgericht in Creteil bei Paris machen Gruppenvergewaltigungen bis zu 20 Prozent aller Fälle aus. "Im Unterschied zu früher wagen es die Mädchen heute zunehmend, ihre Peiniger anzuzeigen", sagt ein JugendrichterInnen. PsychologInnen meinen, dass es auch schon früher derartige Gruppengewalt gegen Mädchen gegeben hat. Nicht nur in sozialen Problemvierteln, sondern auch in ländlichen Gebieten und ebenso in wohlhabenden Vierteln. Dies werde jedoch kaum bekannt, da dort Sozialdienste kaum Zugang hätten. (APA/dpa)

Share if you care.